Zum Umgang mit empirischen Daten – wie man erkennt, ob es sich um hochwertige Ergebnisse handelt

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von Ralf Junge

Imme wieder tauchen neue Studien auf, die irgendwelche Trends für unsere zukünftige Arbeit voraussagen. Die tollsten Dinge. Das heißt es dann zum Beispiel, Social Media Recruiting sei tot oder Unternehmen müssen jetzt auf Mobile Recruiting umstellen. Und was machen wir mit diesen Informationen? Wir passen sofort Strategien an und wollen unbedingt alle Trends aufgreifen. Letztens habe ich mir dann mal die Rahmendaten diverser Studien angeschaut, die sind meist gar nicht so leicht zu finden. Und da zeigt sich, die meisten Studien sind nicht einmal repräsentativ, die Ergebnisse lassen in den seltensten Fällen Rückschlüsse auf die Gesamtheit zu, die Behauptungen in aller Regel also nur unbestätigte Hypothesen. Und das heißt: die Aussagen sind nichts wert, zumindest nicht mit einer so hohen Bedeutung, wie das gern kommuniziert wird.

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Liebe Personaler, damit ihr auch wirklich relevante Studiendaten für eure tägliche Arbeit nutzt, habe ich mal ein paar wichtige Kriterien zusammengestellt, anhand derer ihr erkennt, wann es sich wirklich um hochwertige Daten handelt.

Der erste Blick sollte direkt zu den Studiendaten wandern, also: Fallzahl, Befragte und Erhebungszeitraum. Hier lässt sich bereits ablesen, ob die Ergebnisse wirklich nützlich sind.

Relevanz: Die Informationen aus der Studie müssen den Bedarf erfüllen, d.h. die Daten müssen für euch von Nutzen sein.

Genauigkeit und Vollständigkeit: Und genau hier mangelt es bei einigen Studien. Da werden gern verallgemeinernde Aussagen getroffen, wie z.B. dass alle Berufseinsteiger mobiles Recruiting befürworten. Schaut man sich dann aber die Fallzahl an, dann wird schnell klar, dass die notwendige Repräsentativität fehlt. Auch die Auswahl der Befragten erfolgt nicht nach einer bestimmten Systematik, sondern i.d.R. sind es freiwillige Teilnehmer. Eine wirkliche Bevölkerungsrepräsentativität kann erst ab einer Fallzahl von mindestens 1.000 Befragten gegeben sein und die Auswahl sollte anhand von bevölkerungsrepräsentativen Kriterien (Geschlecht, Alter, Wohnort,…) geschehen.

Aktualität: Das muss ich nicht wirklich erklären, oder? Natürlich sollten die erhobenen Daten aktuell sein und nicht aus den letzten Jahren stammen.

Objektivität: Ohje, auch das ist leider nicht immer gegeben. Ganz besonders wenn Studien von großen Unternehmen durchgeführt werden, bei denen es statt der vorgegebenen Marktforschungsabsichten eher um das Verkaufen vom Produkten geht.

Zugänglichkeit: Die Daten der Studien müssen auch zugänglich sein. Was nützt es euch, wenn in irgendeinem Blog oder Magazin über die Daten geschrieben wird, ihr aber keinen Zugang zu den Ergebnissen habt?

Interpretierbarkeit: Die Studienergebnisse müssen verständlich sein, ihr müsst die Daten für eure Arbeit nutzen und logische Ableitungen daraus ziehen können.

Ihr seht, es ist gar nicht so einfach, eine gute Studie durchzuführen,  mit relevanten Ergebnissen. Mein Fazit daher: Es hat einen Grund, warum von Marktforschungsinstituten beauftragte Studie so viel Geld kosten. Überlasst das lieber denen, die Ahnung davon haben und es wirklich können.

Bildquelle: S. Hofschlaeger  / pixelio.de

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