Work Detox – oder: Wie wir verlernt haben, ein Privatleben zu haben!

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von Ralf Junge

Wusstet ihr, dass wir Deutsche am häufigsten von der Arbeit träumen? Erstaunlich und beängstigend zugleich. Wann genau hat unsere Arbeit einen so wichtigen Stellenwert in unserem Leben eingenommen, dass wir sogar nachts davon heimgesucht werden?

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass der Job im Leben meiner Eltern je eine so große Rolle spielte. Da gab es wichtigeres. Beide haben auch keine Arbeit mit nach Hause gebracht oder bis weit in die Nacht hinein im Büro oder am heimischen Schreibtisch gesessen. Das hat sich in den letzten Jahren erst so entwickelt, denn heutzutage wollen wir in der Arbeit unsere Erfüllung finden und darin aufgehen können. Wenn wir gern arbeiten, dann auch mehr, als wir eigentlich müssten. In der ZEIT der vergangenen Woche (Nr. 47, vom 13.11.2014) brachte es ein Artikel genau auf den Punkt:

„Es ist schwer zu sagen, wann die Zeit begonnen hat, da die Arbeit selbst begonnen hat, zum Konsumgut zu werden und täglich ein ‘bereicherndes Erlebnis’ sein muss.“

Arbeit muss Spaß machen und uns bewegen, wir wollen uns selbst verwirklichen, Arbeit soll wertstiftend sein. Und aus diesem Verlangen heraus wurde die Arbeit zum unerlässlichen Teil unseres Lebens. Wir identifizieren uns mittlerweile maßgeblich über unsere Berufe. Das zeigt sich zum Beispiel, wenn wir uns Fremden vorstellen. In der Regel nennen wir unseren Namen, dann folgt meist direkt der Beruf. Oder wir werden direkt gefragt: “Und, was machst du so?”

Arbeit hat mittlerweile einen so wichtigen Stellenwert, es fällt uns schwer, nicht darüber zu reden oder daran zu denken. Eric Schmidt, Chairman von Google, spricht es sogar direkt aus und sagt, dass Arbeit nur dann gut sei, wenn wir überarbeitet sind:

„For many people, work is an important part of life, not something to be separated. The best cultures invite and enable people to be overworked in a good way, with too many important things, to do both at work and at home.“

Daher existiert das Konstrukt Work-Life-Balance für uns auch gar nicht, das Privatleben wurde von der Arbeitswelt nahezu okkupiert. Eine Lösung? Habe ich ehrlich gesagt universell nicht parat. In allen bisherigen Jobs hat mein Privatleben zugunsten der Arbeit zurückgesteckt. Wie wäre es mit Work Detox – eine Anleitung sinnlose oder zeitraubende Aufgaben zu vermeiden. Das ist zumindest ein Anfang, denn täglich halten uns insbesondere lange Telefonate oder unnötige Meetings von der eigentlichen Arbeit ab.

Bild: someecards.com

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