Was soll das eigentlich mit dieser Augenhöhe?

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HURRA! Wir haben ein neues Buzzword gefunden, das wir nun aufblasen können und bis kurz vorm Platzen bringen: Augenhöhe. Genau. Dieser Begriff hallt derzeit durch die Unternehmen und hat – na klar – auch im Personalmarketing Einzug gehalten. Wir wollen uns auf Augenhöhe begegnen. Wir wollen „gleichberechtigt miteinander“ kommunizieren. Keine „Top-down- oder Bottom-up-Ansagen“ mehr. Nein. Wir wollen Augenhöhe, in jeder Beziehung – mit Kollegen, mit Vorgesetzten, mit den eigenen Mitarbeitern, mit Kunden, mit Dienstleistern. Eben immer und überall. Mittlerweile findet sich der Begriff auch in zahlreichen Stellenanzeigen wieder, als Teil der Arbeitgeberpräsentation. Da heißt es dann:

Partnerschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Kunden auf Augenhöhe.“ oder „Kontaktaufbau und -pflege auf Augenhöhe mit der Zielgruppe.“ oder „Sie und Ihre Kollegen arbeiten auf gleicher Augenhöhe gemeinsam in einem Team ohne Hierarchien.“

Da kommen einem fast die Tränen, bei so viel Harmonie und Weichspülgang. Wenn ich jetzt aber mal ganz dumm fragen würde, was dieser Begriff eigentlich bedeutet bzw. die jeweiligen Unternehmen damit ganz konkret meinen, dann würde ich Antworten erhalten, wie: „naja, Wertschätzung untereinander“ oder „ein respektvoller Umgang miteinander“. Und so hangeln wir uns von Worthülse zu Worthülse. Ohne wirklich auszusprechen, was gerade dieses Unternehmen als Arbeitgeber so besonders macht. Warum soll ich denn nun genau dort arbeiten und nicht woanders, „Augenhöhe“ bekomme ich ja nun scheinbar überall.

Gleichwertig diskutieren
Ich habe den Begriff also einfach mal im Duden nachgeschlagen, der besagt: „auf [gleicher] Augenhöhe (gleichberechtigt, gleichwertig: [mit jemandem] auf Augenhöhe verhandeln, diskutieren, verkehren)“

Wikipedia definiert den Begriff folgendermaßen: „Die vertikale Positionierung der Augen, durch welche die Körpergröße anderer Personen mit der eigenen verglichen wird, ist meistens direkt mit gesellschaftlichem Status und Selbstwert-Gefühlen verbunden. (…) Menschen verlangen in existenziellen Situationen das Gespräch ‚auf gleicher Augenhöhe‘, das heißt, sie wollen den Gesprächspartnern ebenbürtig sein. Wer sich andere Personen größer als sich selbst vorstellt, fühlt sich ihnen meist unterlegen, weniger wertvoll und ordnet sich selbst einen geringeren Status zu.“

Photo by edans Eigentlich klar soweit. Zumindest was die Bedeutung des Begriffs betrifft. Es erklärt allerdings noch nicht, wie genau sich das auf unseren Arbeitsalltag auswirkt. Wieder einmal verstecken sich Unternehmen hinter Worthülsen oder Modebegriffen, ohne wirklich genau zu sagen, was es bedeutet – ist ja schließlich auch einfacher. Solange sich daran nichts ändert, wir also nicht endlich anfangen, mit unseren eigenen Worten und verständlich zu kommunizieren, statt mit diesem weichgespülten Marketing-Bla, solange werden wir als Arbeitgeber nicht wirklich attraktiver bzw. stechen aus dem großen Pool nicht heraus.

Titelbild: Photo by U.S. Fotografie  | Bild: Photo by edans

3 Kommentar

  1. Ich verstehe das mit der Augenhöhe so, dass es keine echte Chef / Sklave Beziehungen in den Unternehmen mehr gibt. Jeder hat eigene Verantwortungsbereiche, eigene Kompetenzen und kann mit jeder Ebene im Unternehmen offen und sachlich kommunizieren.

    • Hallo Melanie, da bin ich ganz bei dir. Prinzipiell finde ich diese Art von Beziehungen im Unternehmen auch gut. Ich mag es nur nicht, dass wir immer alles mit Buzzwords verpacken müssen, statt einfach zu schreiben, was unser Unternehmen definiert. 🙂

  2. Schon die Antwort, lieber Herr Junge, enthält bereits das nächste Buzzword, dieses „ich bin bei Dir“ als 1:1-Übersetzung einer englischen Phrase….ebenso schlimm wie „am Ende des Tages“ statt „schlussendlich“ o.ä. (aus „at the end of the day“ – ich frage dann immer gerne, ob es wirklich bis heute abend sein muss und ernte dann Blicke voller Unverständnis….und so könnte ich noch lange Ausführungen schreiben zum Thema 😉 schön, dass es jemand mal aufgegriffen hat !!! 😉

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