Mein Freund, die Arbeitgebermarke

Zurück in die Karrierezukunft // Heute: Anne

Eine kleine Reihe über gute Freundinnen aus der 7. Klasse und was aus ihnen geworden ist.

In der Schule waren wir eine unzertrennliche Fünfer-Clique und haben jede Pause gemeinsam gespielt und gequatscht, unseren blauen Lidschatten korrigiert und gemeinsam für Klausuren gebüffelt. Natürlich kennen wir uns sehr gut und wussten vielleicht implizit schon länger, wer vielleicht eher in Chemie glänzt und wer bei der Interpretation von Nachkriegslyrik erfüllt über sich hinaus wächst (Spoiler-Alert: Keiner von uns. Es tut mir Leid, Frau Stöwe!). Wir haben immer noch Kontakt, spätestens wenn wir uns um die Weihnachtszeit alle gen Heimat auf den Weg machen.

Da ich mich in meinem Beruf viel und leidenschaftlich mit dem Thema Arbeit beschäftige, interessiere ich mich natürlich dafür, wie der Alltag von meinen Freundinnen heute aussieht und was in ihnen die Leidenschaft weckt. Sie waren gleich an Bord und haben mir für die kurzen Interviews zugesagt – auch wenn meine Fragen nicht zimperlich ausgefallen sind.

Heute: Anne // Justiziarin im Bereich Umweltrecht

Laut der Legal Tribune Online bilden Juristen einen der fünf großen Berufsgruppen für Akademiker in Deutschland. Die meisten Juristen sind im Bereich der Rechtsberatung tätig. Wie in vielen anderen Berufen verdienen männliche Juristen mehr, als ihre weiblichen Kollegen. Der Gehaltsunterschied liegt bei fast 42% ist aber auch auf andere Merkmale zurückzuführen: Fachgebiet, Kanzleigröße, Alter und Region spielen hier neben dem Geschlecht eine Rolle. Beispielsweise arbeiten mehr Frauen im Familien- und Sozialrecht und weniger im Wirtschaftsrecht.

Yvonne: Umweltrecht? Stinkende Müllautos, viel Orange und Streit um Bananenschalen? Was machst du denn eigentlich da den ganzen Tag?

Anne: Ganz allgemein gesagt: Rechtliche Beratung. Das Thema Abfall ist dabei nur eines von vielen, aber für sich genommen schon sehr spannend und komplex. So kann es bspw. um die Erfassung von Kantinenresten (ja, auch Bananenschalen), die Entsorgung von ausgedienten Nachtspeicheröfen, den Transport von ätzenden Laugen oder die grenzüberschreitende Verbringung von Hartkunststoffen gehen. Oh, und Orange trägt bei uns niemand.

Eigentlich geht es bei euch doch nur um Lug und Betrug – bzw. die Verhinderung dessen. Was kann denn daran Spaß machen?

Mit Straftätern habe ich ziemlich wenig zu tun. Hätte ich das gewollt, wäre ich Staatsanwalt oder Strafverteidiger geworden. In gewisser Weise geht es allerdings immer um eine interessengelenkte Rechtsauslegung und -anwendung. Je nachdem welche Seite man gerade vertritt (Chemiekonzern oder städtischer Kindergarten, Hausfrau oder Pommesbudenbetreiber), kann das manchmal entgegen die eigenen Prinzipien gehen, stellt aber gerade dann eine besondere Herausforderung dar.

Fällt es dir mittlerweile schwerer anderen Menschen zu vertrauen? Glaubst du noch an das Gute im Menschen?

Es ist wichtiger, dass mir Vertrauen entgegen gebracht wird. Denn ich kann die juristischen Möglichkeiten nur ausschöpfen, wenn ich alle relevanten Fakten kenne. Aber frag mich das in 10 Jahren nochmal!

Würdest du gerne mal für einen Tag Chef sein? Was würdest du dann anders machen?

Mir genügt es, selbständig und eigenverantwortlich arbeiten zu können. Als Chef hätte man viele Verpflichtungen, die ich, zumindest im Moment, nicht übernehmen möchte.

Was erfüllt dich in deinem Beruf? An welchem Punkt hast du vielleicht ein Flow-Gefühl und wirst richtig leidenschaftlich / glücklich?

Wenn ich merke, dass ich einen, wenn auch nur kleinen, Beitrag leiste, der so wichtigen Belangen wie Umweltschutz, Gesundheitsschutz oder Arbeitssicherheit dient.

Vielen Dank für das Interview!

Und so sieht Anne heute aus:

Über den Autor

Yvonne Kalthöfer

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