Mein Freund, die Arbeitgebermarke

Wann hören wir endlich auf sinnlose Zeugnisse zu schreiben?

Die Welt dreht sich und wird immer digitaler. HR Manager müssen sich verändern und tun dies auch. Soweit es eben geht. Denn nach wie vor stehen wir mit einem Bein im Sumpf der Bürokratie, gefangen zischen DSGVO, AGG, BetrVG, Arbeits- und Sozialrecht usw. und usw. Wir haben es entsprechend mit Bürokraten zu tun, die gekonnt auf ihren Paragraphen-Rössern reiten und unseren Arbeitsalltag zur Hölle machen. Drei Schritte vor und zwei wieder zurück … lest einfach diesen Artikel „Fax schlägt E-Mail“ vom 17.09.2019, den Daniel Mack zitiert hat, und der auf Twitter ordentlich diskutiert wurde. Es ist wirklich wunderbar …

Natürlich. Einiges hat sich getan. Es gibt Anbieter, die mit digitalen Plattformen selbst die Prozesse der betrieblichen Altersvorsorge erheblich vereinfachen und digitaler machen. Es existiert die digitale Personalakte und die Zeiterfassung per mobile Device ist in vielen Unternehmen bereits Realität. Realität ist aber eben auch, dass Behörden kein E-Mail, PDF oder Chat können und nach wie vor einen hohen Bedarf an Unterschrift und Stempel haben. Und solange Arbeitsrichter nicht wissen, was Paypal ist oder wie ein Messenger funktioniert, stehen wir in so manchem Gewerk im HR Bereich noch ganz am Anfang von viel Veränderung.

Mein Lieblingspapiertiger in der HR-Bürokratie ist das Arbeitszeugnis. Traditionell unabdingbar, aber irgendwie doch obsolet – zumindest qualitativ. Zwischenzeitlich konnten Arbeitnehmer ein Zeugnis mit der Gesamtnote „gut“ sogar einklagen, später wurde das vom BAG wieder kassiert (BAG, Urteil vom 18. November 2014 – 9 AZR 584/13 –, BAGE 150, 66-73), aber nichtsdestotrotz haben wenige Arbeitgeber Lust auf den Stress, Zeugnisse mit einer Note schlechter als 3 zu vergeben. Hinzu kommt: vielfach sind diejenigen, die die Zeugnisse schreiben, nicht in der Lage die Zeugnisse mit der richtigen Verklausulierung zu schreiben bzw. können viele die Zeugnisse nicht richtig lesen. Was soll diese Verklausulierung überhaupt, wenn man am Ende doch über Schulnoten als Orientierung spricht? Warum nicht einfach Kategorien festlegen und dann per Schulnoten bewerten? Es wäre so einfach! Und so klar! Tonnenweise Papier für nix!

Von mir aus könnten wir auch einfach nur noch quantitative Zeugnisse schreiben. Auf diese Weise wäre gewährleistet, dass nur die Tätigkeiten und Erfahrungen im Zentrum stehen. Ich finde, dass wäre ein großer Gewinn. Sowohl für die Arbeitnehmer als auch die Arbeitgeber.

Neben dem quantitativen Zeugnis kann es ja immer noch eine persönliche Empfehlung von Fachvorgesetzten oder Geschäftsführern geben. Vielleicht so wie im angloamerikanischen Raum? Oder gar handschriftlich, wie oben im Titelbild? 1925 waren kurze handschriftliche Zeugnisse noch Standard. Das wäre dann wirklich wertschätzend und wohlwollend, in einer Zeit in der Menschen sukzessive zu Nullen und Einsen werden. Kann es nicht dazu auch ein Referendum geben? Das wäre wenigsten eine sinnvolle Abwahl! Oder nicht?

Über den Autor

Jannis Tsalikis

"Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Nach einer Weile braucht er einen Drink!" (Woody Allen)

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