Unternehmen brauchen eine Seele!

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Employer Branding ist nach wie vor in aller Munde. Eng am Markenkern des Unternehmens orientiert muss es sein. Herausragende Kommunikationsmaßnahmen, die nach außen und innen wirken müssen kreativ und digital sein, ach, was sag ich, heutzutage muss alles mindestens disruptiv sein. Das ist der Status quo, an dem sich viele Kollegen in der Kommunikation abarbeiten.

Dabei wird häufig vergessen, dass es dabei eigentlich darum geht das Wesen, die Seele des Unternehmens zu beschreiben. Was aber hat die DB oder die Allianz oder BMW für eine Seele? Was haben solche Konzerne für einen Charakter? Was macht sie wirklich aus? Es ergibt sich nur schwerlich ein klares Bild. Kleinere Unternehmen haben es meist leichter.

Am vergangenen Wochenende hatte ich die Gelegenheit mich mit einem HR Kollegen über seine Karriereziele zu unterhalten. Die Message war klar. Er wollte nie wieder in einen großen Konzern. Nie wieder diese Anonymität, nie wieder ewig lange Entscheidungswege und nie wieder in einem mäßig engagierten Umfeld arbeiten. Nicht noch einmal ein Umfeld erleben, wo die Hälfte der Zeit damit verbracht wird, die eigene Reputation zu verteidigen und jeden Tag die Schlacht gegenseitige Schuldzuweisung ausgefochten wird. Nein, ein charakterloses, seelenloses Unternehmen käme für ihn nicht in Frage. Inhabergeführt sollte es sein. Gerne klein. 100 bis maximal 300 People. Hier kann man die Einheit, eine Haltung und eine Gemeinschaft spüren. Da hat man Zugang zum Puls des Unternehmens und fühlt und sieht, dass man täglich auch wirklich einen Einfluss hat.

Seit 15 Jahren bin ich jetzt Personaler und habe schon mit vielen Geschäftsführern gearbeitet. Vielfach wurde ich schon für mein Engagement intern belächelt, wenn ich versucht habe, mit verhältnismäßig wenig Budget ein viel Unternehmenskultur aufzubauen (ich denke, viele Kollegen kennen das). Bei VICE fallen die HR Bemühungen auf fruchtbaren Boden. Ein internes Informationstool (bei uns „Internal HUB“), der YOGA Kurs, FC VICE in der Medienkicker-Liga, eine VICE Band, Fitness-Raum im Keller, regelmäßiges gemeinsames Grillen, Frühstücken, Ausbildungsangebote in vier unterschiedlichen Fachbereichen etc., sind Dinge mit denen wir die Gemeinschaft und das Füreinander fördern. Aber auch erste Versuche von Inklusion, die Förderung internationaler Teams und Pflege einer gesunden Demographie in den Teams und über das gesamte Unternehmen hinweg, sind der Weg in die richtige Richtung. Je größer das Unternehmen desto schwieriger wird es, die Identifikation zum Unternehmen aufrechtzuerhalten bzw. die Identität des Unternehmens nicht zu verlieren. Ohne Wir-Gefühl, ohne eine Seele die man im Unternehmen spürt, kann es kein Wirken für eine gute Reputation geben.

Hat ein Unternehmen keine Seele, kann man im Employer Branding wenig tun. Ce ca. Dabei ist Employer Branding natürlich irgendwie mega sexy, die Mühen für eine gute, interne Kultur hingegen ganz schön anstrengend.

 

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