Personalarbeit ist tot. Oder: Wie sich HR selbst ins Abseits stellt

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von Ralf Junge

Eine aktuelle Studie unter Studierenden zeigt, dass sämtliche Personalmarketing-Maßnahmen der Unternehemen keine Wirkung zeigen, von den Zielgruppen nicht einmal wahrgenommen werden. Auch hat sich gezeigt, dass definierte KPI nicht erfüllt wurden, die verwendeten Budgets waren daher aus dem Fenster geworfenes Geld. Unsere Empfehlung lautet daher, alle Aktivitäten rund um das Personalmarketing einzustellen.

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Alles natürlich nur Quatsch. Genauso viel Quatsch wie die Aussage, Social Media Recruiting ist tot. Diese Aussage ging in den letzten Wochen in sämtlichen HR-Medien und -Blogs rauf und runter. Der Grund für diese Aussage ist die Social Media Recruiting Studie 2014.

Beim Blick in die Ergebnisse, kamen schon erste Zweifel auf. Von 15.000 angeschriebenen Personalern haben 422 an der Befragung teilgenommen – das sind 2,8 Prozent. Ok. Da wurde mir alles klar: es handelt sich also um einen sehr kleinen, zudem nicht-repräsentativen Ausschnitt. Die Schlussfolgerungen sind für mich daher nicht glaubwürdig, die Aussage zum Tod des Social Media Recruitings damit NICHT bekräftigt, also faktisch falsch.

Schauen wir uns im nächsten Schritt die Ergebnisse im Detail an: Auf die Frage nach der Intensität der Nutzung von Social Media antworteten 327 Personen – das sind 2,18 Prozent aller 15.000 kontaktierten Personaler Deutschlands. Die Mehrheit der Antwortenden gab an, die einzelnen Kanäle (Facebook, Twitter, etc.) gar nicht zu nutzen. Spannender bei diesen Ergebnissen fand ich allerdings, dass über 20 Prozent bei dieser Frage angaben, kununu nicht zu kennen.

Puh, wo fange ich da bloß an? Besonders der letzte Fakt sagt eigentlich schon alles über den Erfahrungshorizont und die Qualifikationen der hier Befragten aus. Ich bin zwar nicht der größte Fan von kununu, aber wie gut können denn Personaler, die diese Plattform nicht einmal kennen, dann den Nutzen der Social Media Kanäle für das Recruiting beurteilen?

Die weiteren Ergebnisse der Studie werden nicht besser und bestätigen den Wert der Studie und die Qualität der Befragten: 36 Prozent der Befragten betreiben kein Social Media Monitoring (!), 57 Prozent verwenden kein Budget für die Nutzung von Social Media – dennoch glauben die Befragten trotzdem, dass sich Social Media für die Mitarbeitersuche eignen (auf einer Skala von 1 (trifft gar nicht zu) bis 4 (trifft voll zu): 3,3). Ja, was denn nun?

Liebe Kollegen, ich plädiere dafür, dass jeder zukünftig ein Statistik-Seminar besuchen muss, um sich Personaler oder HR-Manager nennen zu dürfen!

Aber mal ganz ehrlich: Merkt ihr eigentlich noch was? Peinlich genug, pauschale Aussagen auf der Grundlage solcher Ergebnisse überhaupt zu treffen. Noch schlimmer aber ist doch, dass viele Kollegen auf diesen Zug aufspringen und sich in die Irre führen lassen, ohne solche Ergebnisse zu hinterfragen.

Diese Ergebnisse zeigen in erster Linie, dass viele HR-Kollegen noch immer nicht verstanden haben, wie sie mit den sozialen Medien und den Zielgruppen umgehen sollten. Nein, das plumpe Veröffentlichen von Stellenanzeigen oder reinen Unternehmensinformationen funktioniert eben nicht, ganz klar, dass der Response darauf niedrig ist (aber das ist ein anderes Thema).

Die Folge: HR schafft sich dank solcher Studien und unqualifizierter Aussagen selbst ab. Wir machen uns absolut unglaubwürdig bei den Kollegen anderer Abteilungen – erst ist Social Media DER Hype, dann ist es auf einmal tot. Was kommt als nächstes? Wann sterben denn dann die Jobbörsen, Recruiting Events, das Mobile Recruiting oder sogar das Employer Branding, nur weil sie großen und oftmals falschen Erwartungen nicht erfüllen.

Ich sehe die nächsten Schlagzeilen schon vor mir – die Generation Y und die Fachkräfte (die sich nicht rekrutieren lassen wollen) tanzen lachend auf den Gräbern? Schließlich sind die ja immer an allem Schuld.

Nein, ganz so einfach funktioniert das nicht. Klar ist natürlich, dass jedem Hype die Ernüchterung folgt – so wie bei jeder Innovationen (Kollegen, die das noch nicht verstanden haben, empfehle ich die Auseinandersetzung mit dem Hype Cycle). Wenn ihr eure Daseinsberechtigung behalten wollt, dann macht eure Hausaufgaben und nehmt eure Arbeit ernst. Andere Abteilungen, wie Marketing, Marken- oder auch die Unternehmenskommunikation haben die Personalthemen bereits für sich entdeckt und sind euch auf den Fersen. Auch das Recruiting wird zunehmend in die einzelnen Fachabteilungen verlagert. Und ehe ihr euch verseht, werden eure Aufgaben in diese Abteilungen eingegliedert und ihr steht ohne da. Die neueste Schlagzeile könnte schon bald sein: HR ist tot!

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