Ist Conversational Recruiting das Ende der Karriereseite?

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Die Kommunikation, wie wir sie bisher gewohnt sind, gehört bald der Vergangenheit an. In Zukunft sollen sämtliche Apps, die wir auf dem Smartphone nutzen, in Messenger-Dienste integriert bzw. durch Messenger und Chatbots ersetzt werden. Wenn wir Pizza bestellen, ein Buch kaufen oder Zug- und Flugtickets buchen, dann machen wir das bald über den Chat. Der Messenger als Kommunikationszentrale integriert sämtliche Services, indem wir mit den Bots der verschiedenen Marken schreiben und unsere Wünsche äußern. Conversational Commerce nennt sich das.

Informationen häppchenweise

Seit einigen Tagen gibt es die News App RESI zum Download. Hier kommuniziert ihr ebenfalls mit einem Chatbot, der euch leicht verdaulich und häppchenweise die aktuellsten Nachrichten präsentiert. Bei jeder Nachricht fragt die App, ob ihr noch weitere Informationen oder zu den nächsten News wollt. Das bedeutet, sämtliche Nachrichtenmeldungen werden strukturiert, also in kleine Informationsbrocken aufgespalten und hierarchisiert. Ihr entscheidet dann selbst, wieviele dieser Brocken zum jeweiligen Thema ihr haben wollt.

Das nennt sich Conversational Journalism und hilft euch, quasi spielerisch die neuesten Nachrichten zu erhalten. Sehr praktisch und es macht Spaß.

Informationsflut verringert Aufmerksamkeitsspanne

Warum macht diese Art der Kommunikation Sinn? Unsere Aufmerksamkeitsspanne ist auf ACHT Sekunden gesunken (beim Goldfisch sind es übrigens neun Sekunden). Das mag wohl vor allem an der Informationsflut im Web liegen, bei dem Überangebot fällt es tatsächlich schwer, sich lange nur auf eine Sache zu konzentrieren.

Also wird die Kommunikation vereinfacht, in mundgerechten Stücken serviert, die der User dann wählt. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten in der Bot-Kommunikation:  Der User tippt eine Nachricht ein und mittels künstlicher Intelligenz wird durch das Erkennen von bestimmten Schlagworten eine vorher definierte Aktion ausgelöst. Wie zum Beispiel bei JOBmehappy (https://www.facebook.com/jobmehappy), ein Chatbot, der via Facebook Messenger dabei hilft, passende Stellenangebote zu finden. Hier muss der User seine Suchkriterien als konkrete Anfragen senden, z.B. „Ich suche Jobs als Projektmanager in Berlin“ oder „Projektmanager Jobs Berlin“. Anschließend erhalte ich passende Angebote, aus denen ich auswählen kann. Hier ist das Risiko von Fehlern jedoch recht hoch, denn wenn ich mich nicht genau an die Formulierungsregeln halte oder mich vertippe, dann funktioniert der Chatbot nicht. Daher gibt es auch Chatbots, die konkrete Antworten vorgeben, aus denen ich wählen kann – so wie bei RESI News.

Die nächste Kommunikationsrevolution

Stellt euch das doch mal vor – das würde die nächste große Kommunikationsrevolution bedeuten. Alles an einem Ort, nämlich im Messenger. Selbst Google Suchanfragen starten wir aus dem Messenger heraus. Gekoppelt an die Sprachsteuerung unseres Smartphone, wird dieses kleine Gerät noch mehr zu unserem Personal Assistant, mit dem wir uns den ganzen Tag unterhalten und Befehle erteilen und entsprechende Vorgänge auszulösen. Die Zukunft liegt in der persönlichen Kommunikation, der Konversation – als Conversational Branding bzw. Conversational Commerce.

Conversational Recruiting ist das Ende der komplexen Karriereseiten

Ich habe mich gefragt, ob sich diese Art der Konversation auch im Personalmarketing und Recruiting anwenden ließe – also Conversational Recruiting. Das würde in meinen Augen Sinn ergeben. Im Mittelpunkt sämtlicher kommunikativer Maßnahmen der Arbeitgeber steht derzeit die Karrierewebseite. Die wird in Zukunft jedoch ersetzt vom Messenger. Der potentielle Bewerber tritt mit der entsprechenden Arbeitgebermarke in den Dialog und erhält nur so viele Informationen, wie er braucht und will – weil und nachdem er sein persönliches Informationsbedürfnis formuliert hat. Er muss also nicht mehr die gesamte Website durchforsten, lange Werbetexte lesen oder die Stellenbörse nach einem passenden Angebot durchsuchen.

Das heißt für unsere Personalmarketingmaßnahmen, dass wir uns zukünftig sehr genau überlegen müssen, was wir kommunizieren und die Inhalte dann auch hierarchisieren, also eine Rangfolge je nach Wichtigkeit definieren. Und außerdem müssen wir uns noch genauer mit dem User und seinem Informationsverhalten auseinandersetzen – das Ergebnis ist eine noch detailliertere, diversifizierte und zahlenbasierte User Information Journey als Grundlage für Conversational Recruiting.

Photo by MattHurst

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