Interview: HRISNOTACRIME Bloggerin Eva Stock über Trends in der Personalentwicklung, die DB und was an der HR Szene nervt!

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Endlich mal ein Blog bei dem man nicht mehr einschläft. Auf „HRISNOTACRIME“ findet man einen schönen bunten Blumenstrauß an HR Themen (die Eva eben im Alltag so begegnen), wobei die Texte in der Regel frei von der Leber weg geschrieben sind. Grund genug für mich, sich mit Eva hinzusetzten und mal ein wenig hinter die Kulissen zu schauen. Viel Spaß beim nachfolgenden Interview. Lesen lohnt sich 🙂

Eva

Eva Stock, Bloggerin „HRISNOTACRIME„, Referentin Personalentwicklung, Deutsche Bahn – DB Netz AG, 

Hallo Eva, schön, dass du für ein kurzes Interview Zeit hast!

Du schreibst selbst von dir, dass du gerne in einem Konzern arbeitest, du aber am liebsten im Austausch mit Startups und Menschen aus anderen Bereichen bist. Wie passt das zusammen?

Klar hat ein Konzern viele Vorteile. Viele Sachen sind geregelt. Dein Gehalt kommt pünktlich, es gibt für alles Prozesse oder Ansprechpartner. Du hast eine Menge Urlaub und hast theoretisch unendlich viele Möglichkeiten, dich zu entwickeln und weiterzubilden. Man muss sich jedoch am Riemen reißen damit man die Dinge nicht nur aus der Konzernbrille betrachtet. „Gibt es dazu einen Prozess? Ist das genehmigt durch die Stelle xy? Wurde der Betriebsrat schon beteiligt? Okay, wenn nicht, dann lassen wir das gleich besser! Die Zeitschiene halten wir niemals!“.

Innovation bedeutet im Konzernleben erstmal harte Grundsatzarbeit. Das lähmt oft und gerne. Man wird bequem, findet sich vielleicht schneller mit Dingen ab: „Das machen wir halt immer schon so!“.
Als ich irgendwann angefangen habe, mich mit Menschen auszutauschen, die irgendwie das gleiche wie ich, aber in anderem Umfeld machen, habe ich mich sogar oft recht klein gefühlt. So nach dem Motto: „Wow, was die alles machen und können.“ Ich fühlte mich eher wie der nerdige Exot.

Es hat ein bisschen gedauert, bis ich gecheckt habe, dass ich durch meine Konzernerfahrung auch für Kollegen in Startup- und sogar in nicht HR-Kontexten ein guter Sparringspartner sein kann. Ganz davon zu schweigen, dass ich irgendwann auf den Trichter gekommen bin, was mittlerweile eigentlich durch unseren lieben Freund „Digitalisierung“ alles möglich geworden ist im HR-Bereich.

Durch meine zurückgewonnene Neugier und die verlorene Angst vorm externen Netzwerken, habe ich einen neuen Blick auf meine Arbeit. Jetzt freue ich mich immer, wenn ich Impulse von Außen in meinen Arbeitsalltag integrieren kann.

„HR IS NOT A CRIME“ ist ein verdammt guter Blog-Name. Musstest du dich oft für deinen Beruf entschuldigen oder was steckt eigentlich dahinter?

Och Danke für das Lob!

Sehr gute Frage….auf die ich keine richtige Antwort habe. Ich mag gerne Wortspielereien und bei mir müssen irgendwelche Geschichten im Kopf losgetreten werden, wenn ich mir etwas ausdenke. Deswegen heißt meine Band auch Bikini Jesus. Aber das ist eine ganz eigene Geschichte.

Der Blog war wirklich eine fixe Idee, die ich mit dem Schubs von meinem guten Freund Sergej einfach in 15 Minuten eingetütet hatte. Da ich keine halben Sachen mag (nunja zumindest manchmal), habe ich mir gleich die Premium-Bezahlversion gegönnt. Und wenn man schon mal bezahlt, dann darf der Name nicht zu langweilig sein.
Vielleicht habe ich in dem Moment wirklich daran gedacht, dass es in diesen Zeiten gar nicht mehr einfach ist, Personaler zu sein. Alle Nase lang liest man irgendeinen Artikel darüber, dass man a) nicht mehr gebraucht wird und b) eh noch nie was zum gelungenen Geschäft beigetragen hat. Das sehe ich anders.

Außerdem habe ich viele Freunde, die wirklich sehr interessante Sachen machen. Gerne auch was mit Kunst und Musik und wenn man dann sagt „Hallo ich bin Eva und Personalentwicklerin bei der Bahn“, dann schwankt der Gesichtsausdruck beim Gegenüber oft zwischen „Aha, krass“ und „Ahjaaa…mhm“… Jeder hat halt eine Meinung zur Bahn, genauso wie jeder irgendwie ein Bild von einem „Personaler-Typen“ hat.

Es gibt zwar eine überschaubare Anzahl an HR Blogs, aber manchmal hab ich das Gefühl, irgendwie wurde über alles schon geschrieben und über das Geschriebene schon hundert mal diskutiert. Warum sollten man deinen Blog lesen?

Da ich halt vollkommener Newbie und Ultra-late Adopter bin, habe ich vor meinem Blogstart keine Persoblogs regelmäßig gelesen. Ich liebe Print und kaufe mir sehr gerne Zeitschriften. Am liebsten solche, die mehrere Sichtweisen auf ein Thema vereinen (z.B. brand eins, hohe Luft oder die Dummy).
Seit ich nun den Blog habe und auf Twitter bin, merke ich, dass meine Meinung andere erreicht und ich Resonanz erhalte. Manche finden meine Sachen gut und andere nicht – ganz wie im „real life“. Toll am Bloggen ist, dass es dazu führt, dass ich mich noch mehr vernetze und neulich sogar einen Guestblog in Indien hatte.

Warum man meinem Blog eine Chance geben sollte: Ich betrachte die Themen, über die ich schreibe, immer mit einem Augenzwinkern und habe auch durchaus Selbstkritik für HR übrig. Ich versuche Themen aufzugreifen, die mich über mein Netzwerk erreicht haben, oder die gerade diskutiert werden. Manchmal ist es ein Artikel, den ich gelesen habe, manchmal ein Gespräch oder ein Erlebnis das ich hatte und schon bekomme ich ein Kribbeln im Kopf und in den Fingern und schreibe meine Ansichten dazu in einem Rutsch runter.

Ich gebe zu: An meinen USP muss ich noch arbeiten, aber ich finde HR nun mal so interessant, weil es so facettenreich ist. Und ich möchte in meinem Blog gerne diesen Facettenreichtum zeigen.

Und was sind deine Lieblingsthemen?

Ich habe wirklich zu allem eine Meinung. Frag mal meine Freunde oder Kollegen. Oder nee -besser nicht!

Gerade lese ich sehr gerne Artikel zu Führungskompetenzen in der digitalen Transformation und zur Generation der Millenials. Digitale Innovationen im HR-Bereich gehören natürlich zum guten Ton, auch wenn sich mir nicht immer alles gleich erschließt. Darüber hinaus versuche ich, mich in meiner Freizeit mit Snapchat und Jodel anzufreunden. Wer mal wissen möchte, wie die heutigen Studenten ticken, sollte sich letztere App unbedingt runter laden. Ich habe vier Anläufe gebraucht, um einen „Jodel“ mit über 100 Upvotes (=ähnlich den Likes auf Facebook) rauszuhauen. (Mein Tipp: Katzen gehen immer noch gut.)

Aber was nun so ein bisschen witzig daher kommt, hat einen tieferen Kontext:
Auf solchen Austauschplattformen lernt man bestimmte Employer Branding- Zielgruppen erst richtig kennen – gerade auch in ihren Werten und Umgangsformen. Das kann und sollte man sich als Unternehmen zu nutze machen.

Die Deutsche Bahn ist nun z.B. mit den Machern der JobUFO-App an dem Thema Videobewerbungen für Azubis dran. Und das ist ganz klar der Popularität von Snapchat entsprungen.

Wie würdest du folgende Sätze zu Ende bringen?

Die Recruitingszene feiert sich gerne selbst und vergisst dabei …

die Kandidaten im Allgemeinen und insbesondere die Kandidaten von morgen. Die lassen sich nicht mehr so schnell beeindrucken. Und mit Premiumaccounts auf LinkedIn oder Xing wird man diese kaum erreichen.

Die DB ist ein empfehlenswerter Arbeitgeber, weil …

sie ganz klar ein sozialer Arbeitgeber ist, die extrem viele Perspektiven bietet. Vielleicht ist die DB nicht immer ganz vorne dabei in allen Diskussionen zu New Work, aber dafür wird vieles mit mehr Substanz umgesetzt. Man hat sich halt schon vorher Gedanken gemacht, bevor man Neuerungen in einen Konzern implementiert. Aber auch da lernen wir ja gerade durch unser Startup Hub. Außerdem ist es toll, wenn man im Bekannten- und Verwandtenkreis mit Bahnwissen die ganzen Nörgler ärgern kann. Das ist eigentlich unbezahlbar!

Der wichtigste Trend in der Personalentwicklung ist … (weil) …

Talent Management! Digitalisierung hin oder her – wer es nicht schafft, Talente zu werben, aufzubauen, zu halten und weiter zu entwickeln, der wird sehr bald ein ernstes Problem haben.

Digitalisierung bietet beim Talent Management eine Unterstützung im Sinne eines Richtungsweisers. Aber der Impuls zur Veränderung und die damit verbundene Anerkennung, wenn jemand über sich hinaus wächst, kann nur von„echten Menschen“ kommen.
Talent Management muss in Zukunft viel individueller gestaltet werden – viele Systeme bremsen das in meiner Wahrnehmung momentan noch eher aus.

Liebe Eva, herzlichen Dank für deine Zeit!

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