„Ich hab gehört, KUNUNU behandelt seine Mitarbeiter schlecht!“ oder: Die ungerechte Employer Branding 2.0 Welt

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Zuletzt haben Artikel, wie » Einwurf: Das neue Kununu – und die Gefahr der „ADAC Falle“ « in der HR-Szene Wellen geschlagen. Trifft sich ganz gut, weil mir zu Kununu seit einiger Zeit auch etwas unter den Nägeln brennt … es reicht sogar für den ersten Zweiteiler in diesem Blog.
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Teil I: Ungleich im Dialog
Das Bewertungsportal Kununu wird schon lange unter Arbeitgebern heiß diskutiert. Viele Personaler fühlen sich ausgeliefert. Wann immer ich selbst mit meinen Kollegen darüber gesprochen habe, heißt es oft fast verzweifelt: “Die Mitarbeiter lassen dort einfach nur den Frust raus und man kann einfach nichts machen … und alles das, was umgesetzt wurde und den Arbeitnehmern zu Gute kommt, das fällt unter den Tisch!” Es würden dabei vor allem diejenigen Mitarbeiter, deren Vertrag nicht verlängert wurde, Ärger mit dem Chef haben oder vielleicht sogar gerade eine Abmahnung bekommen haben, sich öffentlich beschweren. Ähnlich ist es bei den Bewerbern. In der Regel würden sich immer nur diejenigen melden, die es nicht zum Gespräch geschafft haben.

Es ist eine absolute Rarität, wenn mal freiwillig und ohne Hinweis jemand aus der Belegschaft auf die Idee kommt, seinen Arbeitgeber positiv zu bewerten.
Im Grunde handelt es sich bei Kununu daher eigentlich nicht um ein Bewertungsportal, sondern um einen in Butterblumen eingewickelten Shitstorm. Hm, wenn man noch etwas darüber nachdenkt, dann ist es vielleicht sogar unfairer als in einem x-beliebigen Shitstorm. Die Macht-Verhältnisse sind im Web nämlich in der Regel so, dass beide Seiten die gleichen Rechte haben. Als Administrator eines eigenen Blogs oder der FB Seite, kann ich sogar auch mal Statements löschen, die einfach nicht richtig sind oder diffamieren.

Bei Kununu liegt die Macht bei den unsichtbaren Administratoren. Arbeitgeber sind von ihnen und ihrem Urteil abhängig. Bewertet jemand mit nur einem Punkt und gibt ein böses Statement dazu ab, dann wird zwar schon mal (nach zähem Ringen mit dem Kununu-Support) eine Falschaussage o.ä. gelöscht. Die miese Punktzahl bleibt jedoch stehen. Die Begründung dazu hört sich dann so an:

„Bei den Bewertungssternen handelt es sich eindeutig um Werturteile, die von Nutzern angegeben wurden und im Rahmen ihrer Meinungsfreiheit gemäß Art. 5 GG geschützt sind (siehe zur Charakterisierung als Werturteil BVerfG, Beschluss vom 27.02.2003, Az. 1 BvR 1811/97; BGH ZUM 2009, 753 – spickmich.de).

Es handelt sich um eine bloße persönliche Einschätzung, die durch die Elemente des Meinens und Dafürhaltens geprägt ist – ein “Richtig” oder “Falsch” gibt es nicht. Für eine Meinungsäußerung ist kein sachlich beweisbarer Grund erforderlich. Offensichtlich ist mit der Bewertung mit einem Stern auch nicht die Grenze zur Herabsetzung oder Schmähkritik überschritten.

Sie werden Verständnis dafür haben, dass eine Bewertungsplattform wie kununu.com, die für einen offenen Meinungsaustausch steht, dies grundsätzlich nicht akzeptieren kann. Bekanntlich besteht nach der höchstrichterlichen Entscheidungspraxis auch kein Anspruch auf eine positive Darstellung in der Öffentlichkeit.”

Fazit? Obschon manchmal Falschaussagen oder Diffamierungen gelöscht werden, weil vereinzelt selbst Kununu einsieht, dass derjenige, der das Unternehmen bewertet hat, Unsinn erzählt hat, bleibt die Sternchenbwertung stehen, die damit in Zusammenhang stand. What?

Machen solche (siehe unten) Bewertungen wirklich Sinn?

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Warum gilt hier nicht auch im Ansatz “in dubio pro reo“? Ist Kununu die Reputation der Unternehmen in Deutschland so wenig wert? Meine Meinung:

  • Schlechte Bewertungen sollten nur dann zugelassen werden, wenn der Arbeitgeber (vor Veröffentlichung!) die Gelegenheit hatte Stellung zu nehmen – denn Falschaussagen dürfen nicht online gehen und bis zur Löschung hunderte von Klicks erreichen. 
  • Sternchenbewertungen dürfen nicht online gehen, wenn keine nachvollziehbare Begründung angegeben ist (die Expressbewertung muss wieder abgeschafft werden!)
  • Sternchenbewertungen müssen gelöscht werden, wenn sie in Zusammenhang mit Falschaussagen und / oder Diffamierung standen.

Die Basis für die Kommunikation im Social Web ist Fairness und nicht einfach nur: “Feuer frei!” Behauptungen, wie im Titel von diesem Blogpost, sind einfach unfair und schlimm, wenn man sich nicht wirklich wehren kann. Vielen Arbeitgebern (und ihren Personalern) geht es jeden Tag auf Kununu so.

Freuen Sie sich auf den nächsten Freitag und Teil II, wenn es um das schiefe Bild gehen wird, das von Kununu bewusst unterstützt gefördert wird und warum Expressbewertungen und schiefe Bilder dem Businessmodell von Kununu zuträglich sind.

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