Employer Branding at it’s best

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Infografiken, Listicles, Manifeste oder Ratgeber sind beliebte Tools, um komplexere Themen anschaulich zu vermitteln. Oft begehen wir dabei aber den Fehler, von uns selbst auf die breite Masse zu schließen und eben so kluge Tipps zu geben, die dann in der Realität gar nicht so einfach umsetzbar sind. Beispielsweise werden in regelmäßigen Abständen – mittlerweile nicht mehr nur in Illustrierten, sondern auch in Management-Magazinen – Ratgeber für eine ausgeglichene Work-Life-Balance veröffentlicht, mit der Forderung nach mehr Müßiggang und weniger Stress. Und das wird dann nach außen als Employer Branding verkauft.

In der Regel werden solche Ratschläge aber nicht mal von denen befolgt, die sie erteilen. Oder sie halten sich an die eigenen Ratschläge, zu Lasten der Kollegen oder eigenen Mitarbeiter. Klar, ich könnte auch einfach sagen: „Sorry, liebe Kollegen, ich mache jetzt mehr Müßiggang, kümmert ihr euch mal um alles!“ Das ist ein gutes Beispiel von gelebter Wertschätzung den eigenen Mitarbeitern gegenüber, eben reinstes Employer Branding at it’s best! Oder nicht?

Schon allein bei dem Modebegriff „Work-Life-Balance“ läuft mir ein eiskalter Schauer über den Rücken. Das Paradoxe daran: uns wird vermittelt, Arbeit und Leben seien zwei verschiedene Dinge. Während wir arbeiten, leben wir demnach nicht. Die relevantere Frage an dieser Stelle sollte doch viel eher sein: wie viel Arbeit ist akzeptabel bzw. zumutbar, um sich noch dem Privatem widmen zu können? Dicht gefolgt von der Frage: Wie können wir das realisieren? Doch an genau dieser entscheidenden Stelle hören sämtliche Ratgeber eben auf.

Tabus aufbrechen

Insbesondere die Arbeitsbedingungen in Kommunikationsagenturen beschäftigte das Netz in den letzten Wochen. Eine breite Debatte war entfacht. Angefangen mit den 10 Thesen für ein tiefenentspanntes Leben, gefolgt von den realistischen Ratschlägen für die ersten Berufsjahre. Auch ich habe auf SPIEGEL ONLINE auf diese Thesen mit der Schilderung meiner Arbeit in einer Agentur geantwortet, so wie Dominik Frings mit der Frage, wie wir spielen wollen. Unter dem Motto „Don’t be Part of the Working Dead“ hat zuletzt die Agentur Pink Carrots im Rahmen einer Recruiting-Kampagne auf die Arbeitsbedingungen in großen Netzwerkagenturen aufmerksam gemacht, auch um die Debatte über die Wertschätzung kreativer Arbeit zu befeuern. Übrigens eine wirklich gelungene Kampagne!

Damit wird eine langanhaltende Diskussion über die Arbeit in Kommunikationsberufen fortgesetzt. Und das ist gut so. Denn es geht darum, Tabus aufzubrechen und die Arbeit zu zeigen, wie sie wirklich ist: abwechslungsreich, außergewöhnlich, lehrreich, intensiv, fordernd, eben keine 9-to-5-Beschäftigung, sondern manchmal auch weit über die normalen Arbeitszeiten hinaus – es ist harte Arbeit, die entsprechende Kompetenzen und auch Belastbarkeiten voraussetzt. Auch der Umgang mit den Kunden bedarf Erfahrung, Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen.

Heute läuft es anders

Das gilt nicht nur für Kommunikationsberufe, sondern selbstverständlich auch für andere Branchen. Employer Branding ist kein Top-Down-Prozess, die Arbeitgebermarke kann nicht einfach von der Geschäftsleitung definiert werden, das sollte aus einem kontinuierlichen Dialog mit den Mitarbeitern entstehen.

Mitarbeiter mischen sich ein, sind engagiert und wollen die Arbeitsbedingungen mitgestalten, statt sie nur zu akzeptieren. Sie schaffen ihre eigenen Regeln und gestalten Prozesse mit. Doch dies geschieht noch zu langsam. Wir müssen einen offenen Dialog führen, um Veränderungen voranzutreiben. Die Arbeit und die Bedingungen, unter denen wir arbeiten, werden sich weiter verändern. Dazu brauchen wir eine gesunde Diskussionskultur, um gemeinsam Wege zu finden, Lösungsmöglichkeiten zu zeigen, Ideen und Impulse zu geben.
Denn das macht gelebtes Employer und Employee Branding wirklich aus.

Photo by michelhrv

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