Ein heißer, digitaler Sommer – wenn der Fortschritt zur Last wird

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Es geht ja nicht mehr ohne, wir sind heutzutage ständig online. Wenn wir nicht am Handy oder dem Computer sitzen, sind wir es dank unserer Profile in den verschiedensten Netzwerken trotzdem – quasi abrufbereit, auf Standby, niemals im Ruhezustand, springen wir hoch bei jedem Ping. Bloß nichts verpassen!

Unser Privatleben, unser soziales Miteinander, hat sich in den letzten Jahren komplett verändert. Und das erhöht den „Freizeitstress“. Eine Befragung  von TNS Infratest im Auftrag der Deutschen Bank und der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ zeigt, dass sich 32 Prozent aller Smartphone-Nutzer gestresst fühlen, weil sie eben jederzeit erreichbar sind. Das überrasht ich nicht. Das gilt insbesondere für unser Berufsleben. Durch Diensthandys oder Laptops sind wir ständig uns überall erreichbar, wir arbeiten nahezu Tag und Nacht. Wenn ich morgens aufwache, geht der erste Griff zum Handy, um dienstliche Mails zu checken. So geht es nich tnur mir: 42 Prozent aller Deutschen lesen nach Feierabend und am Wochenende E-Mails, zeigt eine andere Umfrage im Auftrag der Gesellschaft für Unterhaltungselektronik.

Na Gott sei Dank ist unserer Bundesarbeitsministerin jetzt die gloreiche Idee gekommen, sich die Digitalisierung der Arbeitswelt mal live und in Farbe anzuschauen, im Rahmen ihrer Sommerreise #Arbeitenviernull zu verschiedenen Unternehmen in Bayern und Baden-Württemberg an. Gut, dass sich auch unsere Arbeit dem digitalen Wandel nicht entziehen kann, ist ja nun keine Neuigkeit, scheinbar aber erst jetzt auch im Bundesarbeitsministerium angekommen – in den Ministerien ticken die Uhren halt langsamer. Lassen wir uns also überraschen, was sie aus ihren Eindrücken (Zitat: „Das ist doch mal cool, Leute“) und Erlebnissen zaubern wird. Ende des nächsten Jahres will sie dann ein Weißbuch zum modernen, digitalen Arbeiten präsentieren. Nun gut, bis dahin sind die derzeitigen Standards vermutlich schon wieder veraltet. Aber rückschrittliche Ideen sind wir von ihr ja schon gewohnt – hier sei an ihren Entwurf für eine neue Arbeitsstättenverordnung erinnert, die die Heimarbeit so stark reglementiert hätte, dass viel Unternehmen sich vermutlich dagegen entschieden hätten und amit zurecht als „Bürokratischer Irrsinn in Absurdistan“.

Hoffen wir nur, dass sich Frau Nahles neben den modernen Technologie auch mit den Arbeitnehmern beschäftigt und aktuelle Studienergebnisse in ihren geistigen Ergüssen berücksichtigt. Die Studie der Deutschen Bank zeigt nämlich auch, dass sich insbesondere die „Digital Natives“ eingeschränkt fühlen – mehr als zwei Drittel haben weniger zeitliche Flexibilität und sogar ein Fünftel fühlt sich den neuen technischen Anforderungen nicht immer gewachsen. Und 10 Prozent haben sogar Sorge, mit den technischen Entwicklungen nicht Schritt halten zu können. Erschreckend bzw. überraschend. Schienen doch gerade die jungen Generationen, die mit dem Internet aufgewachsen sind, den Wandel voranzutreiben. Aber eben auch eine Erkenntnis von #Arbeitenviernull, der eine wichtige Rolle bei den Überlegungen zur Digitalisierung der Arbeit spielen muss – aber naja, wen interessiert schon die Arbeitnehmerseite…

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