Das Morgen denken: wo sind die HR Pioniere?

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Es ist Donnerstagmorgen, halb neun. Ich erreiche das Ellington Hotel und bahne mir meinen Weg durch die Lobby, vorbei an der Bar. Dabei begutachte ich die verschiedenen Whisky-Sorten, die ordentlich auf dem Regal aufgereiht stehen und überlege kurz, ob ich am Abend vielleicht die eine oder andere Sorte probiere. Schließlich vorbei am Frühstückssaal, erreiche ich endlich den Konferenzbereich. Hier wimmelt es an den Stehtischen schon vor freudigen, bekannten Gesichtern, die Geräuschkulisse ist entsprechend laut. Herzlich werde ich begrüßt, hole mir den ersten Kaffee und mische mich in die Gespräche ein.

So begann für mich das diesjährige HR BarCamp in Berlin. So begann bisher jedes HR BarCamp, mittlerweile sind wir in fünften Jahr. Genau diese Herzlichkeit und Vertrautheit zeichnet das Publikum dieser Veranstaltung aus (ganz im Gegensatz zu sonstigen Hochglanz-Konferenzen), es ist wie ein großes Familientreffen – in diesem Jahr mit 200 „Angehörigen“, die in sechs parallelen Sessions in insgesamt sieben Runden (also insgesamt 42 Sessions), verteilt auf zwei Tage, über Aktuelles, Herausforderungen und Probleme in der Personalarbeit gesprochen haben. Und wenn nicht gebrainstormt oder diskutiert wurde, dann wurde genetwörkt. Wieviele Visitenkarten wohl über die Tische wanderten bzw. wieviele neue Xing- und Facebook-Kontakte an diesen zwei Tagen geschlossen wurden?

„Ey, ich bin gerade voll motiviert und voller Energie“, so der eine Grieche. Darauf der andere Grieche: „Boah, mach mich nicht wahnsinnig, mach fertig.“ Das beste an 5 Jahren HR BarCamp ist die Zusammenarbeit mit Christoph und Jannis – hinter den Kulissen, aber auch auf der Bühne. An dieser Stelle Vielen Dank für euren unermüdlichen Einsatz und den Spaß, den ich seit 5 Jahren mit euch haben darf.

Status quo HR

Das HR BarCamp ist zu einem wichtigen Indikator für den Status quo der Personalarbeit geworden, daneben auch zu einem Impulsgeber, um im eigenen Unternehmen Neues auszuprobieren. Ein Blick auf den Sessionplan verrät also, was die aktuellen Themen der Branche sind. Ohne Zweifel, interessante Themen, die vorrangig die Herausforderungen und Fragen des Alltags betrachten.

Unter den insgesamt 48 vorgestellten Sessions finden sich viele interessante Themen. Zu meinen persönlichen Highlights zählen v.a. die Session zum Storytelling von Raoul Fischer und das Superheldentraining von Jörn Hendrik Ast. Auch die Session „HR gegen rechts“ hat viele gute Impulse zum Diskutieren und Weiterdenken geliefert.

Wenn ich jedoch einen Wunsch für das HR BarCamp im kommenden Jahr äußern darf, dann dass wir ein paar mehr innovative und stärker praxisorientierte Sessions anbieten (und dafür weniger Verlaufssessions, die es leider immer wieder gibt). Das heißt, wir diskutieren nicht nur Möglichkeiten oder Optionen, sondern entwickeln in Workshops gemeinsam Modelle oder konkrete Maßnahmen. Sowas bietet sich an, wenn wir über Employer Branding via Social Media, neue Organisationsformen oder Storytelling sprechen.

Das Morgen denken

Auch Diskussionsrunden über die Zukunft der HR Arbeit, also der eigenen Branche, gibt es noch zu wenig. Schließlich wird in einigen Publikationen die Rolle der HR Abteilungen im digitalen Zeitalter mittlerweile gänzlich in Frage gestellt. Wir müssen also anfangen, über den Status quo hinauszudenken und die Relevanz der HR sprechen – eben das Morgen denken, bevor es da ist. Eben auch den Fortschritt nutzen, mit ihm gehen. Ein paar echt gute Denkanstöße hat die Session HR Rockstars gegeben und gezeigt, was wir tun müssen, um so cool wie das Marketing zu werden.

http://hrbarcamp.tumblr.com/post/139965058502/hr-rockstars

Mein Aufruf, meine Einladung, spätestens für das HR BarCamp 2017: wir brauchen mehr HR Pioniere, die aktiv werden und damit auch als Vorbilder die HR Arbeit in die Zukunft führen, die uns ermutigen, Denkanstöße geben für HR 3.0 und Macher sind, also die Ideen auch wirklich umsetzen!

Übrigens: Wer die Themen und Sessioninhalte nachlesen möchte, der findet die vollständige Dokumentation unter hrbarcamp.tumblr.com

 

Photo by Cea.

1 Kommentar

  1. Wie kann HR „so cool werden wie das Marketing“?

    Seid mir nicht böse, aber jeden HR’ler, der ernsthaft diese Frage stellt, müsste man gepflegt übers Knie legen.

    Diese Frage macht klar, warum HR immer in den Unternehmen immer noch als Loser gilt … HR hat alle Karten in der Hand, sie müssen nur endlich mal ausgespielt werden. Wenn Nabelschau und Selbstmitleid aufhören, würde HR erkennen, dass die eigene Arbeit Wirkungsbooster für Unternehenserfolg ist:

    Wenn sich Recruiter endlich auch als Präventions-Personalentwickler begreifen; wenn HR Employer Branding nicht als Marketinginstrument, sondern als Identitätsverstärker eingesetzt werden würde (Magic keywords: Cultural Fit / Effektivität der Ehrlichkeit); und wenn HR endlich die eigene Schlüsselrolle in der seit 2008 empirisch verbürgten Wertschöpfungskette „(nur) IDENTIFIKATION erzeugt ENGAGEMENT (sehr hoher Zusammenhang, Beta-Koeffizient 0,86), und das führt zu UNTERNEHMENSERFOLG (bedeutsamer Zusammenhang, Beta-Koeffizient 0,42)“ erkennen und ausspielen würde, wären wir endlich in einer robusten „HR next generation“ angekommen.

    Bis auf einen klitzekleinen „just-a-step-to-the-right“ Rocky-Horror-Moment braucht es eigentlich nichts, um endlich als „Business Partner“ akzeptiert zu werden. HR hat alles in sich, es muss nur abgerufen werden. Hört auf, nach „Innovationen“ und „Neuem“ zu suchen, um mehr Anerkennung zu finden. Es wird euch nicht gelingen! Statt nach „tomorrow“ zu schauen, würde ein „deeper dive“ im Hier und Jetzt schon völlig reichen, damit HR die innere Erfülltheit, die es innehat, und die externe Akzeptanz erfährt, die es verdient.

    Ich kenne HR’ler, die genau das tun, und ich verneige mich vor ihnen – genauso vor allen, die es noch nicht tun (können), denn HR ist eine Aufgabe von größtem Wert für jedes Unternehmen.

    Bob Marley war ein HR’ler. Er hat es schon immer gewusst: „So you’d better get up, stand up, stand up for your right.“

    In diesem Sinne

    Wolf Reiner Kriegler

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