Arbeitgeber-Reputations-Harakiri, wie aus dem Lehrbuch – Präsentiert von REWE

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ein Kommentar von Jannis Tsalikis

Eigentlich will sich REWE wie folgt verstehen (Zitat aus der Website): Die REWE Group ist ein faires Unternehmen. Für die REWE Group steht nicht nur ein attraktives Arbeitsumfeld im Vordergrund, sondern auch die Fairness im Umgang miteinander. Daher zeichnen sich die durch die REWE Group angebotenen Praktika in aller Regel durch eine Vergütung, ein hohes Maß an Eigenverantwortung von Seiten der Praktikanten und eine offene Unternehmenskultur aus. Für uns ist es selbstverständlich, dass wir keine Vollzeitstellen durch Praktikanten ersetzen und auch nicht mit einer eventuellen Übernahme ködern. Ein Praktikum dient unserer Ansicht nach der beruflichen Orientierung und der Vertiefung der praktischen Erfahrung eines Menschen.

Um dieses Image in die Köpfe zu treiben, wird seit Jahren viel Aufwand betrieben. Es werden groß angelegte Kampagnen auf die Beine gestellt, mit guten Storys und emotionalen Filmen. Eigens für diese Kampagnen werden teilweise sogar Microsites kreiert usw. Am Ende werden für die Kampagnenentwicklung und Media wahrscheinlich gar Millionen investiert.

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Was jedoch wirklich die Runde macht, das ist zum Beispiel die Klage einer Praktikantin, die auf schamloseste Art ausgenutzt wurde.

Denn für sie war von Fairness keine Spur. Frau Lysenko machte  ganz andere Erfahrungen, bis sie sich entschied, zu klagen. Bereits im April ging die Geschichte durch alle Zeitungen (z.B. hier). Yuliya Lysenko erstritt sich damals rund 17.000,- Euro – zumindest in erster Instanz. 

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(für Film bitte Bild klicken)

Jetzt wurde der Fall neu aufgerollt – Landesarbeitgericht Hamm sei dank! – und siehe da, sie bekommt doch kein Geld (Begründung, weil die Agentur für Arbeit gefördert hatte. Details z.B. hier: Doch keine 17.000 Euro für REWE-Praktikantin). 

REWE hatte damals den Verantwortlichen gefeuert und mittlerweile hat Frau Lysenko eine Azubi-Stelle bei REWE in Gelsenkirchen.

Aber warum hat das so lange gedauert? Und warum wurde kein Euro Entschädigung gezahlt? Warum gibt es jetzt weitere Klagen?

Stattdessen lässt man es zu, dass die Story erneut durch die Gazetten wandert und jetzt noch mehr das fahle Gefühl verbreitet wird, REWE sei ein ausbeutender Laden.

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Es wird erschüttert getwittert und geshared und mit jeder Weitergabe auf Social Media, wird die mühsam aufgebaute Reputation beschädigt. 

So heißt es dann in den Kommentaren:

„Es ist doch typisch. Der Gesetzgeber und die Gerichte stehen wie immer für die Wirtschaft und die Wohlhabenden, die ja einen Freifahrtschein zur Ausbeutung bekommen.“

„DAS ist #Ausbeutung und moderne #Sklaverei

„Übersetzt: Wenn Du arbeitslos bist, dürfen Dich Unternehmen ruhig ausbeuten. Der Staat bezahlt die Arbeit ja schon.“

Offenbar wurde der Faktor Zeit völlig unterschätzt, denn es wird viel zu behäbig gehandelt. Der Fall ist völlig unnötig seit Monaten in der Presse und mithin Arbeitgeber-Reputations-Harakiri in seiner besten Form. 

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