Zurück in die Karrierezukunft // Heute: Patricia

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Eine kleine Reihe über gute Freundinnen aus der 7. Klasse und was aus ihnen geworden ist.

In der Schule waren wir eine unzertrennliche Fünfer-Clique und haben jede Pause gemeinsam gespielt und gequatscht, unseren blauen Lidschatten korrigiert und gemeinsam für Klausuren gebüffelt. Natürlich kennen wir uns sehr gut und wussten vielleicht implizit schon länger, wer vielleicht eher in Chemie glänzt und wer bei der Interpretation von Nachkriegslyrik erfüllt über sich hinauswächst (Spoiler-Alert: Keiner von uns. Es tut mir Leid, Frau Stöwe!). Wir haben immer noch Kontakt, spätestens wenn wir uns um die Weihnachtszeit alle gen Heimat auf den Weg machen.

Da ich mich in meinem Beruf viel und leidenschaftlich mit dem Thema Arbeit beschäftige, interessiere ich mich natürlich dafür, wie der Alltag von meinen Freundinnen heute aussieht und was in ihnen die Leidenschaft weckt. Sie waren gleich an Bord und haben mir für die kurzen Interviews zugesagt – auch wenn meine Fragen nicht zimperlich ausgefallen sind.

Heute: Patricia // Chemieingenieurin in einem Rußwerk

Laut Karista bewerben sich auf freie Stellen im Bereich Chemieingenieurwesen durchschnittlich 2 Bewerber. Der Chemieigenieur fungiert als Schnittstelle zwischen der Naturwissenschaft und dem Maschinenbau. Mit einem Anteil unter 10% sind Frauen in diesem Bereich stark unterrepräsentiert. Umso besser, dass Patricia sich davon keineswegs abschrecken lässt, aber da wollte ich dann doch nochmal nachfragen:

Yvonne: Sorry, aber was macht eine gutaussehende Frau wie du als Verfahrenstechnikerin im Rußwerk?

Patricia: Kopien erstellen, Zettel abheften, ganz viel Kaffee kochen…
Ich arbeite in der Forschung, führe Versuche durch und werte diese aus.

Können Frauen im Rußwerk überhaupt mit den Männern mithalten? Hand aufs Herz, wie oft musst du dir pro Woche blöde Chauvie-Sprüche anhören?

Zu Beginn tatsächlich öfter als mir lieb war. Wenn man sich dann erstmal fachlich bewiesen hat, wird man genauso akzeptiert wie jeder andere Mitarbeiter. Aber ich glaube, diese Phase durchläuft jeder Jungingenieur, egal ob weiblich oder männlich.

Ist es etwas Besonderes, dass eine junge Frau in deinem Bereich arbeitet? Pfeifen dir Kollegen manchmal hinterher / nennen dich Aschenputtel / sagen dir, wie süß du das gemacht hast? Wie gehst du damit um?

Dass Frauen in den MINT-Fächern noch nicht so stark vertreten sind, ist Tatsache. Seit Beginn des Studiums sind Kolleginnen deshalb eher eine Seltenheit. Ich glaube aber, dass die Arbeit mit Männern sowohl Vor- und Nachteile hat. Sprüche wie “ Da kommt die Putzfrau“ oder „Frauen sollten soziale Berufe ausüben und Krankenschwester oder Pflegerin werden“ kommen vor, sind aber eher eine Ausnahme. Ich habe für mich die Erfahrung gemacht, dass Humor, Selbstironie und eine große Portion Schlagfertigkeit so manch einem den Wind aus den Segeln nimmt. Die meisten Männer sind aber ganz nett, wie im „wahren Leben“ halt auch…

Würdest du gerne mal für einen Tag Chef sein? Was würdest du dann anders machen?

Ich schätze meinen Chef sehr und würde ihn ungern eintauschen. Mir fehlt zum „Chef sein“ wohl noch die Gelassenheit, die Erfahrung und das Selbstvertrauen.

Was erfüllt dich in deinem Beruf? An welchem Punkt hast du vielleicht ein Flow-Gefühl und wirst richtig leidenschaftlich / glücklich?

Ich liebe die Abwechslung. Einen Bürojob würde ich nicht lange aushalten. Jeder Tag ist anders. Vom Aufbau und Durchführen von Versuchen, bis hin zur Auswertung von Daten am PC ist alles dabei. Richtig glücklich bin ich dann natürlich wenn mal alles wie am Schnürchen läuft.

Vielen Dank für das Interview!

Und so sieht Patricia heute aus:

 

 

 

 

Wenn ihr den ersten Teil über Anne, Justiziarin im Umweltrecht, verpasst habt, könnt ihr ihn hier nachlesen. Um das Interview mit Viviane zu lesen, die als Gymnasiallehrerin für Biologie und Chemie arbeitet, klickt hier.

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