Wie ich den Recruiterslam 2016 erlebt habe und das Gewinner-Finale-Poem zum Nachlesen!

Scroll this

Ich war dieses Jahr zum ersten mal beim Recruiterslam in Stuttgart. Jesses, Leute, ich verrate euch, ich war so aufgeregt wie seit Jahren nicht. Ich meine, ich habe schon hunderte Workshops und Vorträge gehalten, aber f**** so ein Gedicht, das ist echt was Persönliches … Anyway, ich hatte mich angemeldet, da musste ich jetzt durch und „Gott, sei dank!“, das Publikum war das liebevollste Publikum aller Zeiten. Es wurde geschüttelt und gereimt in weltermeisterlicher Manier und am Ende wurde ich tatsächlich mit dem Pokal belohnt. Unglaublich! Ich konnte es wirklich nicht glauben, mit meinem Lied-Gedicht „Rainer“, bei dem es um den gradlinigen Personaler geht, über den alle schimpfen, kam ich ins Finale. Mit meinem Gedicht „Die Kündigung“ bei dem es um das Gefühl und die innere Zerrissenheit geht, wenn man ein Unternehmen verlässt, konnte ich die Herzen des Publikums so erreichen, dass es mich zum Sieger machte. Ich stand auf der Bühne und es war so „Ups, nee jetzt, also ihr meint ich … also, ich hab gewonnen!?“

15003441_1211638388882141_8590574252885266811_o

Nachfolgend der Text aus dem Finale:

Die Kündigung

1

Tag ein Tag aus, ich bin hier schon zu lang gewesen.
Würde gerne wegfliegen können, wie ein fantastisches Wesen.

Meine wurstigen Hände und diese schlaffen Beine.
Nein, bestimmt nicht, Kraft hab ich keine.

Ich kann mich nicht wehren, bin eine farblose Wand.
Eine farblose Wand, mit einem Stift in der Hand.

Heute sah der schwarze Aktenkoffer mich an,
Ich fragt mich, wie er das bloß kann?

2

Der Aktenkoffer schnappt auf und eine Stimme war da.
„Hallo, ist dein Job nicht wunderbar?!“

„Jammer nicht rum und setzt dich hernieder.
Mach deine Arbeit, ich singe dir Lieder!“

Ich will keine Lieder, ich will doch nur weg.
Hab wirklich schon ausreichend Speichel geleckt.

Der Puls er pulsiert und die Zähne sie knirschen.
Ich versuche mich wieder an die Tür ranzupirschen.

3

Ich drehe den Knauf, es ist abgeschlossen.
Tränen sind in meine starren Augen geschossen.

Ordner, Regale, sie rascheln und klappern!
Die Telefone, Rechner und Pflanzen sie plappern.

„Jammer nicht rum und setzt dich hernieder.
Mach deine Arbeit, wir singen dir Lieder.“

Ich muss wieder zum Tisch, muss wieder tippen.
Ich arbeite, ich werde vom Teufel geritten.

4

Erschöpfte Augen, versteifte Glieder.
Der Stuhl klemmt mich ein, ich konzentriere mich wieder

Ich weiß es, das kann nicht das Richtige sein.
Mein Chef der Arsch, ein richtiges Schwein.

Lässt mich schmoren, er genießt selbst das Leben.
Und ich, ich muss hier am Stuhl festkleben.

Ich spüre es wieder, jetzt innerlich kochen.
In meinem Körper, die Adern, sie pochen!

5

Ich spüre den rasenden Herzkreislauf.
Auch meine Muskeln, krass, sie blasen sich auf.

Ich schreie und spüre das grüne Gefühl.
Im Kopf, der Schmerz, wie kaputtes Vinyl.

Ich strecke mich aus und mache mich groß!
Ich befreie mich und reisse mich los …

Es fällt mir so schwer jetzt nicht auszurasten!
Meine Finger sie hämmern und hämmern auf Tasten!!!

6

Da!! Jetzt meldet der Drucker sich auch!
Er schreit wie ein Tier, aus den Seiten kommt Rauch.

Es knattert und schnirzt, er erbricht sich gleich hier …
„Ich kündige!“ steht auf dem Papier!!!

„Ich kündige, ha! Ich scheiss auf euer Flehen!
Ich gehe jetzt weg, weit weg werde ich gehen!

Bin emotional und von Glückseligkeit übermannt.
Diesen Mensch hat so noch keiner gekannt.

7

Ein kleines Rädchen hat heut die Maschine verlassen.
Einige werden mich dafür lieben, vielleicht einige hassen.

Manchen ist es egal, andre haben mich schon vergessen.
Wie viele Stunden habe ich auf dem Bürostuhl gesessen?

Jetzt, draußen die Vögel, die Sonne sie scheint.
Das war der Zeitpunkt, da hab ich geweint.

Vergessen mein Zögern, mein Jammern mein Bangen.
Schon jetzt ist irgendwie alles vergangen.

8

Ich kuschelte mit Schafen, konnte wieder schlafen.
In Träumen reisen und in der Schwerelosigkeit, der leisen.

Ich stehe auf und mache mich frisch.
Die Visitenkarte vom Recruiter auf dem Tisch.

Ich seh mich im Spiegel und lächle mich an.
Heute werde ich ganz neu, heut werd ich von vorne anfangen.

Von heute an dreh ich die Welt, ich geb ihr den Spin!
Ich bin kein kleines Rädchen, ich bin der King!!!

 

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar