Neue Studie: Personalmanager werden mindestens noch 30 Jahre gebraucht!

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Für Science-Fiction Fans ist diese Zeit super. Ich meine, wer hätte das alles so kommen sehen? Auf Arbeit geht alles Remote, immer neuere Software erleichtert die Verwaltung und führt zu besseren Prozessen. Zwischendurch kann man mal kurz von unterwegs per Facetime mit dem Kollegen chatten und per Slack anschließend die Dateien in der Gruppe teilen. Ja, man. That’s 2017!

Und es wird rasant weitergehen. Folgt man Prof. Dr. Richard B. Freeman, den ich auf der PMK 2017 erleben durfte, dann ist es schon bald so weit: An jeder Ecke und überall werden uns Roboter begegnen, uns zuwinken und uns die Arbeit abnehmen. Künftig habe derjenige die Macht, sagt er, der über Roboter verfügt oder über eine höhere Anzahl oder einfach bessere. Diejenigen die keine Roboter haben stehen doof da. Und schlau sind diese verfluchten Dinger. Wahnsinn!

Thomas Le Blanc (Vorstand der Phantastischen Bibliothek Wetzlar), der auch auf der PMK war und dem es sichtlich Spaß gemacht hat, seine Vision von der Zukunft mit den Zuhörern zu teilen, geht noch einen Schritt weiter. Bei ihm sind künftig die Roboter nicht nur schlau, sondern entwickeln sowas wie ein Herz. Er behauptet, dass die Roboter uns nicht nur schon bald einen großen Teil der Jobs wegnehmen werden, sondern auch erwarten werden, dass man sie ernst nimmt und mit ihnen am Abendbrotstisch sein Öl teilt. Er fordert eine neue Ethik mit dem Umgang den Robotern – sonst könnten eines Tages diese Dinger sauer auf uns sein und dann sähe es wohl ziemlich schlecht für uns aus. Well …

2017 häufen sich die Negativmeldungen. Es sieht nicht gut aus für uns. Also uns analoge Menschen. Und es gibt auch bereits die ersten Forscher, die diese düstere Zukunft als einzige logische Konsequenz sehen. Entsprechend titelt zum Beispiel das Buch von Federico Pistono: „Roboter werden deinen Job stehlen – aber das ist ok.“ Man ist sich noch uneins, wann uns diese Neuzeit blüht.

Immerhin muss sich das ja auch rechnen. Um sich nur mal ein Beispiel vor Augen zu halten: Wie günstig muss so sein selbstfahrender Lieferwagen sein, damit es sich lohnt den Lieferwagen-Fahrer zu entlassen? Lieferwagen-Fahrer sind zwar zunehmend schwer zu bekommen, verdienen jedoch immer noch vergleichsweise wenig. Welche sonstigen Bedingungen müssen für den flächendeckenden Einsatz von selbstfahrenden Lieferwagen gewährleistet werden? Wer kann handschriftlich geschriebene Klingelschilder lesen und trägt die Pakete in den 3.Stock? Hier wird noch viel nachgedacht, aber noch nicht wirklich etwas gemacht.

Kommen wir doch noch einmal in die heutige Zeit zurück und mithin ein wenig auf den Boden der Tatsachen. Es mag sein, dass vielfach in der Produktion die Automation zunimmt und das handwerkliche Hämmern abgenommen hat. Und es ist auch unbenommen, dass unterschiedliche Softwarelösungen die Produktivität von Unternehmen deutlich gesteigert haben. ABER erstens, und da gehe ich ganz mit den fünf Thesen, des „zukunftsinstituts“, „Jeder Technologieschub erzeugt eine Rekursion, eine Komplexitäts-Kaskade, die zu gesteigerten Nachfragen und ganz neuen Bedürfnissen führt. Automatisierte Fabriken erzeugen Bedarf nach ‚High Services‘ und technischer Expertise, aber auch nach ‚Low Services‘ im Bereich von Wartung und Betreuung. Die ‚Freigesetzten‘ finden rasch neue Jobs in Berufen, von denen man gestern noch nichts ahnte.“ Und zweitens, sind wir doch mal ehrlich, das ist doch alles noch ein ziemlich blindes Stochern im Nebel. Und während viele schon über 4.0 reden, hat ein großer Teil des Mittelstands und der kleinen Betriebe noch immer kein 2.0 Niveau.

Das einfach so in die Finger geschnippt wird und wir in einer Welt voller zweibeiniger Automaten leben, das ist nicht realistisch. Auch in den nächsten 30 Jahren nicht.

Denn die Umfelder in denen Personalarbeit stattfindet, sind von vorgestern oder einfach von ihrem Wesen her eher starr und wenig beweglich. Als ich zuletzt beim Arbeitsgericht war, musste ich einem Richter erklären, was Paypal ist und einem anderen was WhatsApp ist (kein Witz!). Das ganze Thema Lohn – eine einzige Regelwüste. Oder nehmen wir die Baustelle Ausbildung. Hier sind die Lehrinhalte und Prüfungsthemen gerne aus den siebziger und achtziger Jahren, gerne gelehrt in Gebäuden, die aus den Sechzigern stammen und seither nicht mehr renoviert wurden. Und last but not least werden sicher auch Gewerkschaften und Betriebsräte bei solch einschneidenden Veränderungen ein Wörtchen mitsprechen wollen.

Matching, Big Data, Candidate Experience und was nicht alles. Ein Teil der heutigen Personaler scheint in diesen neuen Themen angekommen. Sie sind flexibel, können schnell adaptieren und sich auf die neuen dynamischen Verhältnisse einstellen. Der Rest? Der Rest ist immer noch hinter dem Mond. Dabei geht es oft um die Basics. Wie baue ich mein Team auf, damit ich optimal in der HR-Abteilung aufgestellt bin? Wie organisiere ich das Team und wer macht was? Welche HR Tools werden benötigt? Wie gehe ich auf die individuellen Needs der Unternehmung als HR Abteilung ein und werde als Abteilung ein echter Wertschöpfer? Wie sichere ich dem Unternehmen dauerhaft die notwendigen Ressourcen?

Die Baustellen gibt es in den Unternehmen mannigfaltig. Warum also ständig in die Ferne schweifen, wenn wir noch so viele Aufgaben auf dem Zettel haben? Nur, weil ihr euch Sorgen um euren Job macht?

Für euch Personaler habe ich mich der Methoden angesehener Experten, wie Carl Benedikt Frey und Michael Osborne bedient und höchstwissenschaftlich mein Bauchgefühl befragt, in die Glaskugel geschaut und die Mokkareste meiner Kaffeetasse gedeutet: Die nächsten 30 Jahre werden Personaler noch dringend gebraucht. Ich wage sogar die Prognose, dass Personaler darüber hinaus eine tragende Rolle in den Unternehmen spielen werden. Gut oder?

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