New Work ist nur ein Clickbait

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Ich sehe jetzt schon vor meinem geistigen Auge, wie sich bei einigen die Fußnägel aufrollen, auf der einen oder anderen Stirn Schweißperlen entstehen und so manches „Whaaat?!“ über die Lippen kommt.

Aber ja, ich stehe zu meinem Titel. Zumindest in großen Teilen und im hier und jetzt. New Work? Was soll das eigentlich und warum reden alle darüber?

Es fühlt sich an, wie die Debatte, die wir letztes Jahr zur Disruption hatten. Kein Schwein wusste worum es eigentlich geht und dennoch wollten alle und sollte alles disruptiv sein. Natürlich! Klingt ja auch Hammer. Bist du auch schon disruptiv? Ja, klar! Und alle dann so: „Uuuh!“

Letztlich meinten die meisten Kollegen, revolutionär. Und nach dem der Letzte, der ganz hinten in der Reihe saß, das auch gemerkt hat, wurde die Diskussion und der Hype dann ziemlich müde. Und so schmeckt das Thema Disruption schon ein Jahr später wie eine getragen Sandale, fad, zäh und hat einen holzigen Abgang.

Und jetzt New Work.

Das was ehedem nur die Generation Y auszeichnete (ich habe mich an anderer Stelle bereits mehrfach kritisch über dieses Modell geäußert), nämlich (ich zitiere Wikipedia) „Berufliche Unabhängigkeit. Einmal im Beruf angekommen, wollen diese 60 Prozent gut Gebildeten, die so etwas wie die Elite der Generation Y darstellen, dafür so viel Erfüllung, Freude und Anerkennung eintauschen wie irgend möglich. Sie lehnen Hierarchien und Reglementierungen ab und wollen einen Arbeitsplatz in einem Team haben, in dem sie keiner gängelt und sie ihr Können unter Beweis stellen können“, das gilt jetzt als Trend für die ganze Gesellschaft. Unabhängigkeit und Freiheit stehen im Zentrum des New Work Gedankens.

Es wurde die Erkenntnis gewonnen, dass nicht nur die Generation Y Sinn und Freiheit im Arbeitsleben, sondern irgendwie alle arbeitenden Menschen wollen. Der Wunsch nach mehr Freiheit wird im Rahmen „New Work“ als ein gesamtgesellschaftliches Phänomen diskutiert. Ich will ja nicht sagen, dass ich immer schon gesagt habe, dass es hier ein Trend gibt, der offenkundig die Gesellschaft verändert und nicht nur Thema der „Gen Y“ ist – aber ja, ich hab es immer schon gesagt.

Gut. New Work = Die neue freie Arbeitswelt

Eine Welt, in der Diversity Standard und Remote Working Alltag ist. Eine Welt, bei der man sich seinen Job shared und eine Karriere mit optimalem Flexicurity Potential anstrebt. Eine Welt, mit klugem Work-Life-Blending, 100% digital und alles flat, aber auch nie mit overwelming. (Wer noch mehr Denglisch braucht der findet hier ein wunderbares New Work Glossar).

Mit New Work versucht man also einen Trend zu beschreiben. Ein Trend, bei dem Arbeit Sinn machen soll, keine Minuspunkte hat, Wohlstand bringt und gleichzeitig Raum für freie Freizeitgestaltung lässt. Hinzukommen weitere X-Trends, die diesem Megatrend unterliegen.

Nicht mehr „Wie verdiene ich dauerhaft meine Brötchen?“ steht also zur Debatte, sondern „Mit welchem Job fühle ich mich wohl?“. Menschen fragen sich offenbar zunehmend, wie sie mit welchem Job (der natürlich per se schon glücklich macht) so viel Geld verdienen können, dass Teilzeitarbeit kein Problem ist, damit für den nachmittägliche Chi-Gong Kurs Zeit ist. Menschen wollen mehr Flexibilität. Sie wollen Home Office machen. Sie wollen arbeiten um zu leben und nicht leben um zu arbeiten. Und in einem Arbeitsmarkt mit einem zunehmenden Mangel an passenden Fachkräften, sind Arbeitgeber gefordert sich anzupassen.

New Work. Ein neuer Megatrend. Wirklich neu?

Come on, doch nicht neu. Ein Diskurs, der seit Jahrzehnten läuft. Weil es diesen Trend schon lange gibt. Und Leute, es wurde bereits so viel dazu besprochen. Spätestens seit es das Telefon in allen Haushalten gibt, gibt es auch Ideen zur neuen Freiheit und Möglichkeiten in der Arbeit. Der Diskurs ist NICHT neu. Fragt sich, was New Work nun spannend macht. Warum reden alle von New Work?

Aus Neues Jahrtausend – Neue Identität: Symposium 1999

Meiner Meinung nach leben wir bereits seit gut 10 Jahren in einer Zeit des HR Aufbruchs. Das 2.0 Internet hat HR’lern neue Möglichkeiten gegeben, die sie sukzessive immer mehr nutzen. Die Personaler wandeln sich fortwährend. Sie scouten ihre neuen Talente selbst über Active Sourcing, beobachten die Reputation des Unternehmens über Tweetdeck, helfen Unternehmen regelmäßig als Change Manager, kümmern sich um Well-being und Motivation und gründen Vereine die sich über Slack organisieren. Die HR Neuzeit hat längst begonnen.

Der Begriff New Work ist eben frisch, modern und sexy. Er ist ein Clickbait. Und letztlich ist es klasse, dass es so ist. Berater finden immer wieder (weil sie Ansätze für ihr Consulting brauchen) neue interessante Ansätze, um Veränderungen die uns alle betreffen zu beschreiben und den fortwährenden Diskurs aufrecht zu erhalten. Wir Personaler werden auf diese Weise stetig motiviert darüber nachzudenken was als nächstes auf uns zu kommt und wie wir unsere Arbeit weiter verbessern und an die Anforderungen einer neuen Zeit anpassen müssen.

In diesem Sinne, danke ihr lieben Dienstleister, ich freue mich über die nächsten Clickbaits!

 

 

 

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