Interview: Der progressivste HR Verein Deutschlands – Purple Squirrel!

Scroll this

Regelmäßig werden diese Fragen diskutiert: Gibt es die jungen, dynamischen HR’ler überhaupt? Wenn ja, wo verstecken sie sich? Ich weiß es, Leute! Hier! In der Purple Squirrel Society haben sie sich zusammengefunden und diskutieren über alles was ihnen unter den Nägeln brennt. Dabei sein darf, wer offen für Slack und den offenen Dialog ist. Fantastisch!

Ich durfte die Macher interviewen und … ach, lest selbst … (etwa 5 Minuten Lesezeit, aber lohnt sich!)

Mit Purple Squirrel habt ihr eine Plattform geschaffen, die voll in unsere digitale Zeit passt. 100% authentischer Austausch und kollegiale Fallberatung on a daily basis. Wann ging das Ganze eigentlich los und wer ist wie darauf gekommen?

Sergej: Vor ein paar Jahren bin ich ziemlich juniorig in einen Job mit viel Verantwortung gestartet. Dieser war genau der richtige für mich – allerdings habe ich schnell gemerkt, dass ich zu vielen Themen Austausch mit anderen HRlern brauche – und ich war zu der Zeit Einzelkämpfer zum Thema Personal in dem Unternehmen. Also habe ich angefangen, mir ein Netzwerk von Personalern aufzubauen, Daraus entstanden die ersten unregelmäßigen Treffen zum Abendessen und irgendwann der erste Skype-Verteiler.

Julia: Ich glaube vielen von uns hat ein interner Sparringspartner gefehlt. Irgendwann war aber unser Skype-Verteiler so groß und chaotisch, dass wir uns für die offizielle Vereinsgründung mit gewissen Grundregeln und zur geschlossenen Community auf Slack entschieden. Wie ein normales Startup halt, das plötzlich 200 MitarbeiterInnen hat. Bei Slack kann jeder seine Themen abonnieren, die sie/ihn interessieren und sich in der Form auf kurzem Weg austauschen.

Adiba: Ich hatte vor unserer Vereinsgründung immer wieder Kontakt zu einzelnen HRler/-innen: Beim Lunch, Abendessen oder auf Veranstaltungen wie dem HR Barcamp. Da habe ich gemerkt, dass mich dieser Austausch immer inspiriert und weiter bringt, manchmal auch nur durch die Erkenntnis, dass es anderen ganz ähnlich wie mir geht im Job. Gleichzeitig gab es ja schon Netzwerke für andere Berufe: Geschäftsführung, Marketing, Techie-MeetUps. Da es das noch nicht für HR in Digitalunternehmen gab, war die Idee da. Ganz Start-up-typisch gründeten wir den Verein und lösten damit unser eigenes Problem.

Tobias: Ich war Teil des Skype Chats und der Gruppe HR-Arbeit im Startup, diese Xing Gruppe wurde damals von Sergej ins Leben gerufen. Da ich sehr angetan von dem Austausch war und mich regelmäßig auch eingebracht habe, kam Sergej mit der Idee auf mich zu, aus dem “Stammtisch” doch einen Verein zu machen. Sergej und ich haben uns zuerst die rechtlichen Aspekte der Gründung eines Vereins angeguckt und entschieden, nicht nur einen Verein sondern einen mit einem gemeinnützigen Hintergrund zu gründen. Wir haben dann Friderike als drittes Mitglied und Vorstand eingebunden und mit Julia, Adiba, Nathalie und Danine die weiteren Gründungsmitglieder angesprochen. Dann mussten wir nur noch den bürokratischen Marathon der Gründung eines gemeinnützigen Vereins bewältigen. Ehrlicherweise habe ich mir das viel einfacher vorgestellt – aber auch diese Hürde haben wir erfolgreich genommen.)

Friderike: Ich war begeistert als Sergej und Tobias mich ansprachen und von der Idee erzählten, einen Verein für moderne HR-Arbeit zu gründen. Ich hatte damals ein erstes Netzwerk zu meiner Rocket Internet Zeit aufbauen können und wusste wie wichtig es ist, Ideen zu teilen und von der Erfahrung anderer Personaler zu profitieren.

Was hat der Personaler mit dem Tierchen (Purple) Squirrel eigentlich gemein? Und gibt es diese Tiere (Purple Squirrels) eigentlich wirklich?

Tobias: Die Idee des lila Tierchens kam von Sergej und wir waren von Anfang an alle Feuer und Flamme. Nein, mal im Ernst, ich war am Anfang persönlich sehr skeptisch, mir war der Begriff durch meine Arbeit in England durchaus geläufig (Purple Squirrel = Eierlegende Wollmilchsau). Als wir dann andere Namen diskutierten, stand jedoch schnell fest dass das niedliche, kleine und farbenfrohe Tier das Logo unseres Vereins zieren sollte, da es genauso wie wir neu, innovativ und voller Tatendrang ist und ich muss sagen, auch jetzt mit unserem neuen Logo ist das Lila Hörnchen schon zu einer richtigen Marke geworden. Ferner hat unser Name auch etwas leicht geheimnisvolles, da man dahinter nicht direkt einen innovativen Verein für Personalarbeit findet, der als Entscheider bei der Digitalisierung agiert.

Adiba: Grundsätzlich kommt das Purple Squirrel von unseren Ansprüchen: Wir suchen immer wieder Kandidaten/-innen, die in unterschiedlichsten Bereichen tiefe Skills mitbringen. Gleichzeitig sind wir im HR genau das. Die Wunderwaffe – überraschend und in allen Bereichen des Unternehmens tätig.

Sergej: Außerdem sind Eichhörnchen einfach ziemlich coole Tierchen.

Wie viele Mitglieder habt ihr denn schon? Spezialisten oder Generalisten? Wie ist die Demographie in der Gruppe. Braucht ihr Quoten-Männer?

Friderike: Unser Verein lebt durch die Mischung unserer Vereinsmitglieder – jeder trägt auf seine Art und Weise dazu bei, dass wir eine tolle Community sind und uns täglich weiterentwickeln. Wir sind inzwischen über 300 Mitglieder. In den Anfängen waren vor allem Generalisten aus der Startup-Szene dabei. In den letzten Monaten sind aber vermehrt Spezialisten aus Konzernen, Agenturen und dem Mittelstand dazu gekommen – was natürlich eine tolle Entwicklung für die Community ist.  

Adiba: Quotenmänner? Wir brauchen engagierte HRler, ganz unabhängig vom Geschlecht oder der Herkunft. Wir haben eine große Basis im Digitalbereich, vor allem auch in Berlin. Aber je länger wir bestehen, desto diverser wird es auch. Einziges Kriterium für eine Aufnahme bei uns ist, dass man Inhouse-HRler/in ist – Agenturen können leider nicht teilnehmen.

Was sind die Themen, die am häufigsten innerhalb der Community besprochen werden?

Julia: Sehr präsent sind Themen rund ums Recruiting: Welche Kanäle sind die besten für bestimmte Zielgruppen, welche Recruiting-Tools nutzen wir, welche Events lohnen sich wirklich fürs HR-Marketing etc. Daneben werden Fragen im Arbeitsrecht oft diskutiert, einfach weil es in diesem Bereich kontinuierlich Änderungen gibt und viele unserer Mitglieder plötzlich mit internationalem Arbeits- oder sogar Gesellschaftsrecht auseinandergesetzt sind, wenn sie sich vergrößern und weitere Standorte aufbauen. Wozu sich unsere Community aber auch sehr gerne austauscht, sind folgende Fragen, über die sich ihre Teams wohl am meisten freuen würden, wenn sie davon wüssten: Was macht ihr an Teamevents? Was ist die beste Location für Teamparties? Welche Goodies schenkt ihr zum On-Boarding, Geburt von Kindern o.ä.? Überhaupt alles rund um die Frage, was wir als HRler Gutes und Motivierendes für unsere Teams machen können.

Adiba: Beliebt sind Themen rund um die Anstellung internationaler Mitarbeiter/innen. Immerhin kommen rund 50% der Start-up-Teams aus dem Ausland und da wird es in Deutschland schon recht tricky: Ausländerbehörde, Arbeitsagentur, Relocation Packages, Wohnungen, Einwohnermeldeämter… Und auch die Frage, wie ich einen neuen Mitarbeiter aus dem Ausland gut ins Team hole sind Fragen die regelmäßig aufkommen.

Tobias: Unsere Mitglieder können sich zu allen Themen kollegiale Beratung einholen, ohne die Angst zu haben, dass ein Dienstleister die zum Teil vertraulichen Themen zu seinem Vorteil nutzt. Wir sind ein Verein von Personalern für Personaler und uns ist wichtig, dass egal welches Thema im Chat angesprochen wird, die Leute mit Respekt und Vertrauen sich gegenüber treten.

Wie offen sprechen die Personaler über ihre Herausforderungen? Gibt es Tabu-Themen?

Julia: Tabu-Themen sind Konflikte mit der Geschäftsführung – da ist unsere Community sehr loyal und diskret ihren Arbeitgebern gegenüber. Überhaupt alle Themen, die von sehr diskreter Natur sind und Datenschutzaspekte beinhalten, werden nicht offen thematisiert.

Adiba: Wir haben einen impliziten Ehrenkodex. In dem Verteiler werden Probleme mit Mitarbeitern bspw. immer anonymisiert, es gibt keinen Austausch zu Betriebsinterna der Firmen.

Gibt es Ideen / Ziele diese Community weiterzuentwickeln? Wenn ja, welche?

Sergej: Der Verein ist derzeit ausschließlich für Inhouse HRler – wir denken gerade darüber nach, wie wir auch Dienstleister sinnvoll integrieren können, ohne dass die Vertraulichkeit untereinander verloren geht.

Julia: Außerdem überlegen wir regelmäßig, ob wir auf Englisch umstellen sollten, da wir so viele internationale HRler kennen, die kein Deutsch sprechen. Sie gehören zu Unternehmen, die innovativ und spannend für uns als Community sein können, von uns als “locals” aber Hilfe im Behördenwahnsinn erhalten könnten. Diese Synergieeffekte sollten und wollen wir zukünftig noch stärker nutzen.

Adiba: Ich glaube, wir sind noch lange nicht am Ende des Wachstums, denn wir wachsen bislang jede Woche um weitere Mitglieder. Wir wollen für das kommende Jahr einen Fokus legen auf den persönlichen Austausch und das Wissenswachstum.

Tobias: Wie Julia schon erwähnt hat, wäre es toll, unseren Verein international zu erweitern, am liebsten weltweit – ich weiß, dass sich das noch etwas größenwahnsinnig anhört, jedoch treffe ich oft auf meinen Reisen andere Personaler – irgendwie scheint man sich zu erkennen.

Friderike: Ich bin auch davon überzeugt, dass unser Verein noch viele tolle Wachstumsmöglichkeiten hat – an Ideen mangelt es uns auf jeden Fall nicht. 🙂 Durch meinen aktuellen Job an zwei Standorten werde ich persönlich auch immer wieder auf das Thema “Expansion” angesprochen – dementsprechend werden wir 2017 auch an anderen Standorten starten, da wir gesehen haben, wie groß der Bedarf ist und wie wichtig ein Netzwerk für HRler ist.  

Ihr Lieben, herzlichen Dank für das tolle Interview mit euch und vielen Dank, dass ich teil dieser Community sein darf! Jannis

 

  

3 Kommentar

  1. Ich gehöre zwar nicht zu den HRlern, aber ich finde die Idee und Umsetzung – wie hier beschrieben – ziemlich cool! Vernetzung ist in allen Bereichen eine schlaue Sache. Und Logo und Name sind auch gelungen! Ich werd euch weiterempfehlen, denn ich kenn tatsächlich Leute, die zu euch passen würden! 😉

  2. Hey Jannis. Danke für das Interview. Ich finde die Idee und Gründung des Vereins echt toll. Meine Neugier ist mehr als geweckt 🙂

Schreibe einen Kommentar