HR auf dem Mars?

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Bald ist es soweit und der DGFP Kongress in Berlin geht in die nächste Runde. Alle sprechen von New Work und Future of HR. Der DGFP ist noch einen Schritt weiter und möchte gleich zum Mars fliegen! Und stellt die entscheidende Frage: Was muss HR leisten, um auch mit an Bord der Marsmission zu sein? Sie haben eine Blogparade ausgerufen und auch ich möchte gerne hier einen Beitrag schreiben. Im Vorfeld war ich sehr versucht, mir die Beiträge der anderen Blogger durchzulesen, aber werde dies erst nach dem Schreiben meines Beitrags tun! Alle Infos zur Blogparade des DGFP findet ihr hier. Anschnallen und die Rakete startet!

Piep, piep, piep. RUFF! BUUUUUUAAAAM! Die 38 Überseecontainer, die eben noch friedlich auf dem Boden des Berliner Gleisdreieckparks standen, setzen sich schnaufend und knarzend in Bewegung. Dank des überproportionalen Raketenantriebs, welchen wir in wochenlanger Arbeit befestigt und eingerichtet haben, hebt sich das gesamte Bauwerk langsam in die Luft und schwebt davon. Dieses Jahr wollen wir unseren Mitarbeiter mal etwas ganz Besonderes bieten: Manche Startups machen es vor und verlagern ihren Arbeitsort für einen Monat auf eine tropische Insel. Wir gehen in diesem Jahr noch einen Schritt weiter: Wir wollen zum Mars!

Alles, was man braucht, haben wir dabei: Eine eigene Brauerei, eine perfekt ausgestattete Küche und einen gemütlichen Biergarten, den wir demnächst nur noch mit Raumanzug besuchen können. Wir erwarten viele Raumfahrer als Gäste in der ersten Brauerei inklusive Restaurant auf dem Mars. Denn jeder weiß, was schon die Mönche im Mittelalter wussten: Bier ist sehr nahrhaft, enthält wichtige Mineralstoffe und Vitamine. Und wer möchte schon Raumfahrernahrung aus der Tube, wenn er nach einem langen Tag im Weltraum ein kühles Feierabendbier trinken kann.

Doch wie haben wir uns auf die Mission vorbereitet? Welchen Beitrag hat HR dazu geleistet? Wie haben wir uns auf Herausforderungen vorbereitet, die wir im Vorfeld gar nicht antizipieren können? Zusätzlich zu weltraumtauglichen Gefäßen, aus denen das Bier nicht einfach wegfliegt, sobald es keine Schwerkraft mehr gibt, glaube ich, dass die folgenden fünf Punkte eine zentrale Rolle spielen. Sie können und sollten von HR (auch auf der Erde!) vorangetrieben und mitgestaltet werden:

Was ist unsere Mission?

Wir nehmen die Mitarbeiter auf eine ganz schöne Reise mit: Familien müssen zuhause zurückgelassen werden und alle müssen kräftig mit anpacken, damit die Mission zum Mars ein Erfolg wird. Der Bürohund fühlt sich in seinem Raumanzug gar nicht wohl und ob unser selbstgezogener Hopfen mit den neuen Witterungsbedingungen zurechtkommt, können wir nur mutmaßen. Alle müssen umdenken: Die Hefe im Biertank liegt nicht mehr einfach unten, die Profimesser können nicht einfach frei durch die Küche schweben, Kellnertabletts müssen komplett neu gedacht werden und das gesamte Sicherheitskonzept ist Pionierarbeit. Aber warum machen wir das eigentlich? Was ist unsere Vision? Was sind unsere grundlegenden Werte?

Aus meiner Sicht sind die Antworten auf diese Fragen zentral, um den Erfolg der Mission sicherzustellen. Alle müssen auf das gemeinsame Ziel hinarbeiten und an das große Ganze glauben. In unserer modernen Zeit macht Mikromanagement mit kleinen persönlichen Zielen nur bedingt Sinn. Mitarbeiter wollen mit auf die Reise kommen und das große Ziel vor Augen haben. So kann jeder einen Beitrag leisten, eigenständig entscheiden und stolz auf Erfolge sein. Heute geht es Mitarbeitern nicht mehr um den simplen Tausch von Arbeitsleistung gegen Lohn, sondern darum, etwas Sinnvolles zu tun, mit dem man sich identifizieren kann. Stellt man diese Fragen, dann hört man meist ein Stöhnen, denn die Diskussion ist komplex und manchmal wage und unkonkret. Es hilft sich zu fragen: Was motiviert mich eigentlich jeden Morgen, meinen Raumanzug überzustreifen und mich auf den Weg zum Raumschiff zu machen?

Kommunikation, Transparenz und Mitbestimmung

Im Vorfeld zu unserem Abflug von der Erde, haben wir viel Zeit in ein komplexes Kommunikationssystem, ausgefeilte Reportings und auch in klar geregelte Mitbestimmungsabläufe investiert. In Notsituationen muss klar sein, wer was zu tun hat. Es kann tödlich enden, wenn Luken von Schleusen offenstehen, weil jemand nicht richtig informiert ist. Auch der Raum wird enger und die Luft dünner, sodass wir spezielle Coachings und Mediationsausbildungen absolviert haben, damit die Gruppendynamik nicht aus dem Ruder läuft. Auch ist klar, dass wir vermutlich mit Problemen rechnen müssen, die wir so noch nicht kennen und auf die wir flexibel reagieren müssen. Wenn wir auf das siebenköpfige Weltraummonster treffen, uns Jabba the Hutt angreift oder wir durch einen Meteroitenhagel fliegen, müssen wir uns schnell auf eine gemeinsame Strategie einigen, jeder muss informiert sein und entsprechend handeln.

Gute Kommunikation und Transparenz sind aus meiner Sicht zentral dafür, dass alle an einem Strang ziehen. Auch führt mangelnde Kommunikation zu hoher Frustration bei Mitarbeitern. Unsere gegenwärtigen Mitbestimmungsformen wirken oft veraltet, bürokratisch und wenig hilfreich. Jeder Personaler stöhnt, wenn er das Wort „Betriebsrat“ hört. Ich glaube, es wird in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, moderne Formen der Mitbestimmung zu entwickeln und zu etablieren, die allen einen Mehrwert bringt.

Potentiale entfalten und persönliche Entwicklung

Niemand kann vorhersehen, wie das Leben auf dem Mars wirklich sein wird. Daher haben wir uns dazu entschlossen, eine großzügige Serveranlage mit mehr als 100.000 Sachbüchern, aber auch Klassikern der Weltliteratur mitzunehmen. Zusätzlich haben wir alle E-Learnings und MOOCs geladen, die wir finden konnten. Wir sind gut vorbereitet, aber wir werden uns stetig weiterentwickeln müssen, um in einer so lebensfeindlichen Atmosphäre, wie dem Mars existieren zu können und erfolgreich ein Brauhaus zu betreiben.

Potentialdiagnostik, Mitarbeiterentwicklungsgespräche sowie gezielte Schulungsprogramme müssen implementiert werden, um Unternehmen zukunftsfähig zu machen. Kein Mitarbeiter wird begeistert sein, wenn man eröffnet, dass der Job sich die nächsten Jahre nicht verändern wird und er sich keine Hoffnungen auf Entwicklungsmöglichkeiten machen soll. Etwas lernen, sich ausprobieren dürfen, gefördert werden: Diese Punkte sind aus meiner Sicht zentral um Mitarbeiter langfristig an ein Unternehmen zu binden. Niemand wird einen Kickertisch vorziehen!

Freiraum und Gestaltungsmöglichkeiten

Die Vorgesetzte schraubt gerade am anderen Ende des Containergebäudes an einem Außenantrieb, während ihr Mitarbeiter gerade entscheiden muss, ob man die Luke am linken Flügel der Brauerei aufwändig repariert und dabei möglicherweise Sauerstoff und einige Malzsäcke opfert oder den Zugang lieber komplett sperrt. Hier ist direkte Führung nicht immer möglich und es ist wichtig, dass Mitarbeiter den Freiraum haben, selbst Entscheidungen zu treffen und diese zu vertreten. Mitarbeiter in der Küche müssen kreativ werden, wenn sich die Tomaten aufgrund des geringeren Drucks zu roten Monstermelonen entwickelt haben. Der Cocktail-Tomaten-Salat ist dann so nicht mehr möglich und muss von der Menü-Karte.

Um uns für zukünftige Herausforderungen zu wappnen, müssen wir Mitarbeiter haben, die kreativ sind, wissen, welche Entscheidungen sie treffen und sich auch mal ausprobieren können. Das heißt auch, Fehler zu machen und keine Angst davor zu haben. Viele tolle Bierrezepte wurden zufällig entdeckt. Aus meiner Sicht, muss man hier ganz vorne anfangen: Schulsysteme müssen verändert und enge Korsetts und Vorgaben aufgebrochen werden. Wir müssen wieder lernen, um die Ecke zu denken, Scheitern als etwas Positives zu sehen und uns von alten Strukturen zu lösen. Hier darf sich HR (wie auch in allen anderen Punkten) auch gern selbst an die Nase packen. Wo können wir Altbewährtes neu denken? Das passiert in Teilen schon, aber darf aus meiner Sicht gern noch mehr werden. Ach so, Richard David Precht haben wir auch mit auf unsere Mission genommen! Das erschien uns sinnvoll.

Wertschätzung und Abgrenzung

Jeden Morgen trifft sich die gesamte Crew um aktuelle Themen zu besprechen. Jeder erklärt, was er an diesem Tag vorhat und berichtet von seinen Erfolgen, aber auch Misserfolgen des letzten Tages. Momentan arbeiten wir an einer Weiterentwicklung von Working Out Loud, die spätestens bei unserer Ankunft auf dem Mars implementiert werden soll. Es wird gemeinsame Ausflüge zu benachbarten Monden sowie einen Free-Floating-Yogakurs neben unserem Biergarten geben. Gemeinsame Erfolge werden gebührend gefeiert. Gleichzeitig hat aber auch jeder seine eigene kleine All-Kajüte, die schalldicht ist und nur in Notsituation ins generelle Kommunikationssystem mit eingebunden wird. Entspannungsphasen, Kommunikation mit Familie und Freunden auf der Erde sowie Zeit für private Projekte sind wichtig, um die generell hohe Belastung auf dem Mars zu kompensieren.

Mit einer erhöhten Identifikation mit dem eigenen Job, verändert sich auch das Verhältnis zur Arbeit und die Emotionalität von Mitarbeitern. Eine Kritik wird schneller persönlich genommen, ein Erfolg, der nicht entsprechend gewürdigt wird, verpufft in Frustration und Freundschaften oder sogar Liebschaften machen Beziehungen zu Kollegen nicht weniger komplex. Ich glaube, dass Wertschätzung zentral ist, wenn Unternehmen wirklich zufriedene Mitarbeiter haben wollen. Niemand möchte mehr grundlos angeschrien werden, wenn er mehr Zeit mit den Kollegen verbringt, als mit dem Partner. Aber auch Abgrenzung ist wichtig, um abschalten zu können, einen neuen und gelasseneren Blick auf die Dinge zu gewinnen. Hier muss HR gute Wege finden, Wertschätzung zu implementieren, auch den Spaß nicht zu kurz kommen zu lassen. Bewusst sollte aber nicht jede freie Minute der Mitarbeiter mit supertollen Aktivitäten vollgeballert werden.

Das sind meine Punkte, die wir bei der Planung unserer Mission HR-seitig berücksichtigt haben. In dem Moment, in dem wir gen Himmel starten, habe ich das Gefühl, dass wir gut vorbereitet sind und uns auf eine spannende Reise begeben. Sicherlich habe ich das ein oder andere vergessen, aber ich bin sicher, dass wir flexibel und kreativ darauf reagieren können.

Und kann man diese Punkte auch auf die Gegenwart und auf der Erde anwenden? Ja, denn sie sind schon heute umsetzbar! Der Raketenantrieb für unser Containergebäude erstmal noch nicht. Und daher lasst uns schon heute anfangen, eine spannende und kreative Zukunft für HR zu gestalten!

Was noch wichtig ist: Diese Geschichte entspringt meiner freien Fantasie, hat keinen Anspruch auf absolute Korrektheit bezüglich Weltraum-, Bier- und Tomatenfachwissen und spiegelt meine persönliche Meinung wieder, welchen Beitrag HR leisten kann. Und wenn ihr das Containergebäude mal auf ein Bier besuchen und mit mir über die Zukunft von HR diskutieren möchtet, dann freue ich mich auf euch! Wir sehen uns aber spätestens beim DGFP Kongress // Phase 1!

Titelfoto: Suganth on Unsplash

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