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Der Weg ins „New Normal“ – Erfahrungen aus dem Corona-Lockdown nutzen

„The greatest danger in times of turbulence is not the turbulence – it is to act with yesterday’s logic“ (Peter Drucker)

Aktuell befindet sich die Gesellschaft in Deutschland nach dem Corona-Lockdown in einer Phase des Übergangs in das „New Normal“. Die umfassenden und weitreichenden Maßnahmen zum Umgang mit der Pandemie werden sukzessive weiter gelockert.

Im Gegensatz zum Privatleben, für das im Lockdown weitgehend gleiche Restriktionen galten, war die Arbeitswelt von ganz unterschiedlichen, unternehmensspezifischen Regelungen geprägt. Hier zeigt sich ein extrem uneinheitliches Bild: Führungskräfte und Mitarbeiter*innen der verschiedenen Branchen und Berufsbilder haben aus diesem Grunde völlig unterschiedliche Erfahrungen gemacht und machen diese weiterhin.

Drei Arten, wie Unternehmen auf den Lockdown reagiert haben:

  1. Einige der systemrelevanten Organisationen und Tätigkeiten waren und sind unverändert oder stärker gefordert. Mitarbeitende sind zumeist am bisherigen Arbeitsplatz tätig. Zum Beispiel Erzieher*innen in der Notbetreuung, Ärzt*innen, Pförtner*innen, Einzelhandel.
  2. Sehr viele Unternehmen haben nahezu alle Tätigkeiten ins Home Office verlagert. Häufig wurde von zu Hause aus – nach anfänglichen technischen Herausforderungen und kurzer Eingewöhnung – in bester Qualität gearbeitet.
  3. Andere Unternehmen mussten den Betrieb ganz oder teilweise einstellen. Mitarbeiter*innen wurden im besten Fall in unterschiedlich umfangreiche Kurzarbeit geschickt. Manche haben notgedrungen das Aufgabenfeld oder Leistungsportfolio umgestaltet.

Lebensumstände prägen die Erfahrungen im Lockdown

Darüber hinaus haben die individuellen Lebensumstände einen erheblichen Einfluss darauf, wie Arbeiten im Lockdown erlebt wird. Sei es beispielsweise die Sorge um die Gesundheit, die Arbeitsstelle in der Kurzarbeit oder der Umstand, vom Esstisch aus arbeiten zu müssen. Und natürlich verläuft der Arbeitsalltag des kinderlosen Paares im Home Office ganz anders, als wenn nebenbei Homeschooling zu leisten ist.

Unternehmen gehen Mit den Lockerungen unterschiedlich um

Einige Unternehmen, die im Lockdown hauptsächlich oder ganz remote gearbeitet haben, erwarten, dass nun zumindest zu bestimmten Zeiten wieder im Office gearbeitet wird. Bei anderen gilt, bis Dezember kommt keine/r ohne guten Grund ins Büro. Häufig gibt es Hybrid-Formen. Wenn einzelne Mitarbeitende (tageweise) aus dem Home Office zurückkehren und andere noch von zu Hause aus arbeiten (z.B. aufgrund der noch unregelmäßigen Beschulung ihrer Kinder) droht ein Ingroup und Outgroup Effekt. Die Herausforderung besteht darin, Information zeitgleich an alle zu verteilen und die Kommunikation zwischen allen vor Ort und im Home Office zu sichern.

Remote Erfahrungen aus dem Lockdown für das „New Normal“ nutzen

„If you want something new, you have to stop something old.” (Peter Drucker)

Die Übergangsphase ist der richtige Zeitpunkt, um Learnings festzuhalten, Schwachstellen aufzuzeigen und notwendige Veränderungen anzugehen.

Zur Unterstützung von Führungskräften, deren Teams zumindest zum Teil remote gearbeitet haben, nutzen wir einen Leitfaden, um die Erfahrungen aus der Corona-Zeit auszuwerten.

Auszug aus unserem Führungskräfte-Leitfaden zum Wiedereinstieg:

Erfahrungen in der Führung

  • Was ist mir in der Führung während des Lockdown gut gelungen?
    Was hat nicht gut funktioniert?
  • Wie ist es mir gelungen, Nähe zum Team herzustellen? Was möchte ich beibehalten?
  • Wie ist es gelungen, die Leistungsfähigkeit im Team zu erhalten?
    Was ist weiterhin sinnvoll / was nicht mehr?
  • Wo kann ich meinen Mitarbeiter*innen mehr Selbstverantwortung geben als bisher?

Wiedereinstieg aus dem Lockdown vorbereiten

  • Wie sehen Strategie und Regelungen des Unternehmens für Wiedereinstieg und Home Office aus?
  • Wie arbeitet mein Team in der nächsten Zeit zusammen, z.B. als hybrides Team (Mitarbeiter*innen vor Ort und im Home Office)?
  • Welche Informationen brauchen meine Mitarbeiter*innen jetzt?
  • Wie geht es meinem Team? Haben Einzelne besondere Belastungen?

Zukünftige Zusammenarbeit im Team

  • Welche Kommunikations- und Meetingroutinen im Team und im Kundenkontakt wollen wir beibehalten / anders machen?
  • Welche technischen Tools haben sich bewährt / nicht bewährt / brauchen wir neu?
  • Welche digitalen Kompetenzen haben wir erworben / müssen wir weiter stärken?
    Was ist zu tun?
  • Welche (Abstimmungs-)Prozesse haben wir vereinfacht und was davon wollen wir beibehalten?

Die weitere Bearbeitung und Auswertung im Team oder in Führungsgruppen findet in Retrospektiven und ähnlichen Workshop-Formaten statt. Die remote oder persönlich unter Social-Distancing-Bedingungen durchgeführt werden.

Mit der systematischen Auswertung und Umsetzung der Learnings fördert das Unternehmen die Fähigkeit der Mitarbeiter*innen, sich auf veränderte Bedingungen einzustellen. So stärken Führungskräfte und Teams gleichzeitig ihre Selbstwirksamkeit sowie die eigene Resilienz und Changeability.

Personaler*innen und Führungskräfte, die mit ihren Teams den Weg des gemeinsamen Lernens gehen, heben die Qualität der Zusammenarbeit im „New Normal“ auf das nächste Level.

Diesen Text habe ich gemeinsam mit meiner Beraterkollegin Katja Rudat (https://www.katja-rudat.de) verfasst. Wir beschäftigen uns aktuell damit, wie die unterschiedlichen Erfahrungen, die die Menschen in den vergangenen Monaten gemacht haben für die weitere Zusammenarbeit genutzt werden können.

Über den Autor

Jérôme C. Niemeyer

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