Mein Freund, die Arbeitgebermarke

Da lacht das HR Herz: Sympathie als Auswahlkriterium

Da schnuppere ich so durch das Web und stolpere über einen Tweet von meinem Blogger-Kollegen und geliebten Recruiterslam-Rivalen @HZaborowski und siehe da, ein Riesen-Aufreger. Die Kollegen*innen regen sich bei Twitter darüber auf, dass gemäß einer Studie von Personio viele Bewerber*innen deswegen abgelehnt würden, weil sie den der Stelle zugrunde gelegten Kriterien nicht genügen würden.

Vor allem konzentriert sich die Debatte darauf, dass sich Hendrik darüber ärgert, dass wir viel zu wenig den zweitbesten Kandidaten*innen eine Chance geben. In Teilen gebe ich da Hendrik recht. So manche/r Top-Kandidat*in hat sich erst auf dem zweiten Blick als solche/r entpuppt. Ehrlich gesagt, fand ich das aber gar nicht so spannend.

Was ich echt genial fand, war, dass endlich quasi bewiesen wurde, dass Sympathie zu den TOP 3 Faktoren der Personalauswahl gehört.

Im Business Insider Artikel (30.03.2019) steht es jetzt schwarz auf weiß! Die Bitkom Research hat für Personio eine ziemlich repräsentative Befragung gemacht und festgestellt, dass die Top drei Faktoren für eine Bewerber-Absage folgende sind: 1. Bewerber*in erfüllt nicht die Kriterien, 2. Bewerber*in hat zu hohe Gehaltsforderung, 3. Sympathie fehlt.

(75% von 300 befragten Personalentscheidern ist hier gemeint, Bitkom Research für Personio)

Warum das ein echter Knüller ist?

Weil es eine ewige, kontroverse, sehr spannende Diskussion zwischen den HR Kolleg*innen ist, inwiefern Sympathie eigentlich überhaupt eine Rolle spielen darf. Manche vertreten die Position, das dürfe ja nicht sein, wichtig wäre allein die Kompetenz und vor allem die faktischen, beweisbaren Attribute. Selbstverständlich sind die Kompetenzen von großer Relevanz, allerdings vertrat ich auch immer die These, ohne Sympathie geht einfach nichts. Sympathie als relevanter Faktor hat seine Berechtigung und ist Teil des Cultural Fit. Und jetzt bestätigen das so viele Personaler. Danke! Da lacht mein Personalerherz!

Warum Sympathie als Kriterium relevant ist? Ganz einfach, weil wir Menschen, die wir nicht riechen können, denen wir spontan keine Zuneigung zeigen können, wo die Wellenlänge irgendwie nicht stimmt, nicht trauen. Wir können diesen Menschen nicht einfach vergeben, wenn sie Fehler machen und sind insgesamt ungeduldiger. Sympathischen Menschen hingegen wird verziehen, wenn ihnen abermalig erklärt werden muss wie Prozesse funktionieren oder wie die Aufgaben zu erledigen sind.

Als ich noch bei Scholz & Friends arbeitete (Ja, es ist wirklich ewig her. Aber ich habe euch in guter Erinnerung, Freunde!), habe ich den Zelt-Test gemacht (Test-Idee: Könnte man mit jemandem eine Camping-Reise machen?) und neue (vor allem auch seniorige) Mitarbeiter*innen mit dem bestehenden Team zusammengebracht. Das bestehende Team hatte dabei ein Veto-Recht. Nicht umsonst, meine Damen und Herren!

Vielleicht sollten wir in der Phase der Kandidatenauswahl auch einfach mal bowlen gehen, eine Runde „Die Siedler von Catan“ spielen oder eine Runde Go-Kart fahren?

Habt ihr euch schon mal gefragt, wie wir Sympathie als Auswahlkriterium noch professioneller im Auswahlprozess prüfen könnten?

Andererseits stellt sich natürlich auch die Frage, was, wenn sich alle nur noch sympathisch sind? Was ist, wenn schließlich nur noch eine homogene Masse, ein gleichdenkendes Etwas vorhanden ist? Meine liebe ehemalige Kollegin Frau Kalthöfer merkt zurecht an, dass am Ende … „homogene Teams nachgewiesenermaßen schlechtere Entscheidungen treffen!“ Die Frage ist also längst nicht so einfach geklärt. Wir müssen uns fragen, wie viel Sympathie und damit potentielle Homogenität sein darf bzw. sollte. Puh, das hört sich wiederum kompliziert an.

Wir werden dieses Problem einfach den künftigen Matching-Maschinen mit ihrer tollen KI überlassen. Parship hat den Algorithmus für die Liebe bereits gefunden und es ist nur noch eine Frage der Zeit bis die erste HR Samantha, wie in „HER“, einfühlsam die Hände von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zusammenbringt.

😉

Über den Autor

Jannis Tsalikis

"Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Nach einer Weile braucht er einen Drink!" (Woody Allen)

1 Kommentar

  • Toller Beitrag Herr Tsalikis,

    nach meinen nun mittlerweile 16 Jahren Erfahrung im Personalentwicklungsbereich kann ich Ihre Aussage mehr als nur teilen. Gott sei Dank betrachten Personalverantwortliche die sogenannten weichen Faktoren mit bei Ihrer Auswahl von neuen Mitstreitern.

    Wobei ich in Punkto Sympathie noch ergänzen möchte, es zählt nicht nur der Vertrauensaspekt in der Zusammenarbeit – „ich kann Dich leiden“ = Fehlertoleranz bzw. „ich kann Dich nicht leiden“ = kleine Fehlertoleranz.

    Für mich stellt die Sympathie im Bereich Arbeitsatmosphäre einen viel höheren Stellenwert dar. Kurz gesagt, wenn ich Mitarbeiter passend zusammenstelle (Berücksichtigung Sympathie) wirkt sich dies natürlich auf die Arbeitsatmosphäre aus. Und noch mal auf den Punkt gebracht, hat ein Unternehmen eine tolle Arbeitsatmosphäre, gelingen bessere Arbeitsergebnisse, erfolgt eine bessere (positive) Komminikation nach außen und vor allem entsteht eine höhere Bereitschaft vorhandenes Wissen zu teilen.

    Klar stimme ich Ihnen zu, dass die Gefahr einer homogenen Gruppe (Masse) entstehen kann. Doch ist das wirklich von Sympathie abhängig? Und in welchen Apsekten sind Teams homogen? Dafür gibt es Führungsverantwortliche, die die „Homogenität“ erkennen und die Vorteile nutzen sollten. Dazu braucht man Führungskompetenzen und Empathie. Doch häufig wissen Führungskräfte nicht mal, was Führung im ureigensten Sinn bedeutet.

    Beste Grüße
    Jens Höfler

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