Boah, endlich der Beweis: die Generation Y existiert nicht!

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Gleich am Anfang die gute Nachricht: die sogenannte Generation Y gibt es nicht. Das Bundesarbeitsministerium hat ihm Rahmen der Studie „Wertewandel Arbeiten 4.0“ herausgefunden. Sämtliche (teilweise negative) Beschreibungen, wie der Wunsch nach mehr Sinn und Selbstbestimmung oder nach einem ausgeglichenen Arbeits- und Berufsleben, lassen sich gar nicht einer bestimmten Altersschicht zuordnen – auch unter den älteren Jahrgängen gibt es sie, die Sinnsucher, Hinterfrager und Forderer.

Gemeinsame Werte

Seitdem ich für diesen Blog schreibe (und noch länger) kämpfe ich gegen dieses starre Schubladendenken, das sich in der Generation Y nahezu manifestiert. Denn solche Pauschalisierungen bringen uns gar nichts. Endlich kommt nun also die langersehnte wissenschaftliche Bestätigung.

Die Ergebnisse der Studie im Überblick: Insgesamt scheint das Idealbild der Arbeit weit entfernt von der Realität. Nur 18 Prozent der 1.200 repräsentativen Befragten bewerten die eigene Arbeitssituation als nah am Idealbild, 45 Prozent empfinden sich als weit davon entfernt. Die Studie zeigt, dass nicht das Alter entscheidend ist, sondern gemeinsame Wertvorstellungen und Denkweisen – zwischen Selbstentfaltung und Stabilität, Gemeinwohl und Leistung, Sinnstiftung und Wohlstand, Solidarität und Gestaltungschancen.

Und alle Vorstellungen und Erwartungen finden sich tatsächlich auch in sämtlichen Altersgruppen wieder. Statt von Generationen zu sprechen, schlägt das BMAS mit seiner Studie eine Einteilung nach Wertewelten vor. Die meisten (30 Prozent) wünschen sich übrigens vor allem Sicherheit vom Arbeitgeber (Wertewelt „Sorgenfrei von der Arbeit leben können“), gefolgt von denen, die sich „den Wohlstand hart erarbeiten“ (15 Prozent). Weitere Wertewelten sind „Balance zwischen Arbeit und Leben finden“ (14 Prozent), „Sinn außerhalb seiner Arbeit suchen“ (13 Prozent), „engagiert Höchstleistung erzielen“ (11 Prozent), „sich in der Arbeit selbst verwirklichen“ (10 Prozent) und „in einer starken Solidargemeinschaft arbeiten“ (9 Prozent).

Immer nur „mimimi“

Eine wirkliche Auseinandersetzung mit den Einstellungen und Ansichten der sogenannten Generation Y, insbesondere mit den Ursachen für die geänderten Vorstellungen von Arbeit, hat nie stattgefunden. Stattdessen wurde lautstark problematisiert: „Die wollen gar nicht arbeiten!“ oder „Die lassen sich nicht rekrutieren!“ oder „Die sind total unverschämt!“

Mal ganz ehrlich, ich höre da ständig nur „mimimi“. Ihr müsstet euch selbst mal hören, ein weinerlicher Haufen! Oder ihr schreibt dann in eure Stellenanzeigen solche Buzzwords, wie „Augenhöhe“ oder „Work-Life-Balance“ als falsche Versprechungen, die ihr sowieso nicht lebt.

Unsere heutige Arbeitswelt und die aktuellen Entwicklungen bringen nunmal sehr unterschiedliche Arbeitsweisen und -kulturen sowie Bedürfnisse mit sich. Durch die Medien und durch unsere Mentoren in den verschiedenen Bildungseinrichtungen wurde permanent eingeredet, wir würden zur beruflichen Elite des Landes gehören und könnten alles werden, alle Türen stünden uns offen. Doch auch das stimmte nicht und es folgten Enttäuschungen.

Wir haben unsere beruflichen Karrieren als Generation Praktikum gestartet, niemand wollte uns angemessen entlohnen, stattdessen lieber ausbeuten. Und wenn wir uns dann auf „richtige“ Jobs beworben haben, traf uns eure Arroganz mit voller Breitseite – als Berufseinsteiger sollte man am besten schon 5 Jahre Berufserfahrung vorweisen können und wir sollten dafür noch dankbar sein.

Gegenseitiger Respekt statt Bashing

Ok ok, das Bashing hilft an der Stelle nun auch nicht weiter. Viel wichtiger ist es, miteinander zu reden und gemeinsam Wege zu finden, auf der Grundlage gegenseitigen Respekts. Wir müssen anerkennen, dass es unterschiedliche Wertvorstellungen gibt – bei Bewerbern sowie auch in den Unternehmen. Und das Ziel sollte es sein, die Schnittmengen zu identifizieren, als Basis für eine Zusammenarbeit. Und wir müssen auch anerkennen, dass es vorkommt, dass es keine Schnittmengen gibt und bestimmte Unternehmen mit bestimmten Kandidaten nicht zusammenpassen.

Und ein kleiner Lichtblick zum Schluss: wenn spätestens in zehn Jahren die Roboter unsere Arbeit übernommen haben, dann müssen wir uns über Werte und Befindlichkeiten gar keine Sorgen mehr machen! 🙂

Photo by fred.c81

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