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Arbeitgebermarkenfreunde bekommen Zuwachs und warum Arbeitsrecht saucool ist

Wer im täglichen HR Business alles richtig machen möchte, wer trotzdem immer wieder Neuerungen anstoßen will, wer New Work (wie man auch immer das definiert) ins Unternehmen bringen möchte, der / die kommt nicht daran vorbei, alles auch arbeitsrechtlich zu durchdenken. Das Arbeitsrecht ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil der Personalarbeit. Und wer hier nicht sauber arbeitet, riskiert die Reputation nach innen gegenüber der Belegschaft und nach außen, denn Kununu & Co freuen sich über jede Verfehlung. Wir, die Freunde der Arbeitgebermarke, bekommen Zuwachs. Mit Benedikt Sommer haben wir einen sympatischen, kompetenten und mutigen neuen Co-Blogger gefunden, der ab sofort diesen Blog bereichern wird. YEAH!

Lest das kurzweilige Interview und lernt ihn jetzt kennen. Es lohnt sich!

Lieber Benedikt, herzlich Willkommen auf unserem Blog. Sag uns kurz (also falls das bei Juristen geht 😉 ) wo du herkommst und was du machst!

Lieber Jannis, es ist mir eine große Freude, hier auf diesem Blog dabei sein zu können. Wie wir ja schon bei Deinem und Eva´s (Eva Stock) tollen Buch „HR-True Story“, an dem ich als Arbeitsrechts-Experte mitwirken durfte, sehen konnten, spielt das Arbeitsrecht im HR-Bereich gar keine so geringe Rolle und ist auch gar nicht immer so spröde und trocken, wie die meisten denken (wobei das aber sicherlich auch immer eine Frage der Perspektive ist). Und dass wir beide doch ziemlich gut harmonieren, haben wir in den letzten intensiven Jahren unserer Zusammenarbeit, in denen ich Dich und die Unternehmen, in denen Du als HR-Verantwortlicher tätig warst und bist, arbeitsrechtich beraten habe, hinreichend unter Beweis gestellt. Um so mehr freue ich mich jetzt darauf, auf dieser spannenden Plattform hier das ein oder andere Interessante aus meinen Fachbereich beizutragen.

Ich bin seit 2009 Partner der in Berlin ansässigen Medien- und Wirtschaftskanzlei Spieß Schumacher Schmieg & Partner Rechtsanwälte mbB. Dort leite ich das arbeitsrechtliche Department und berate und vertrete mit meinem Team sowohl Arbeitgeber, Führungskräfte und Geschäftsführer als auch Arbeitnehmer, Betriebs- und Personalräte umfassend im Arbeitsrecht. Mein persönlicher Schwerpunkt liegt dabei in der Arbeitgeber-Vertretung, aber genauso gerne vertrete und berate ich Arbeitnehmer, z.B. in Kündigungsschutzverfahren oder Betriebsräte. Studiert habe ich an der Humboldt-Universität in Berlin, nachdem es mich 1998 aus dem kleinen beschaulichen Dörfchen Nußdorf in Oberbayern über München (ein Jahr Zivildienst), in das sündige Berlin verschlagen hat.  Aus Nußdorf kommt übrigens das sauleckere Bier „Nutville Hell“ – und sündig war es da tatsächlich auch. Nach Arbeitsaufenthalten in Kanzleien in Santiago (Chile) und Abu Dhabi habe ich nach meinem zweiten Staatsexamen bei der damals noch unter „Spieß & Schumacher“ firmierenden Kanzlei angefangen. Heute beraten und vertreten wir neben zahlreichen bekannten Musikern und Bands in erster Linie Werbefilmproduktionen, Verlage, Agenturen, Veranstalter, Restaurants und weitere Unternehmen aus der Musik- und Unterhaltungsbranche.

Hast du einen Lieblings-Richter am Arbeitgericht?

Nein, eigentlich nicht. Aber mir sind die Richter*innen am liebsten, die sich in der Materie gut auskennen, eine eigene Meinung vertreten und sich für den jeweiligen Fall interessieren. Das ist leider nicht immer der Fall.

Hast du ein Lieblings-Gericht beim Arbeitsgericht?

Jedenfalls keines in der Kantine des Arbeitsgerichts Berlin am Magdeburger Platz 1. Ansonsten bin ich für gutes Essen aber immer zu haben – bevorzugt mit Dir, Yvonne und Karin im BRLO.

Während der Corona-Krise boomen die Arbeitsrechtler und Steuerberater. Mit welchen Fragen befasst du dich aktuell am meisten?

Ja, wir haben derzeit definitiv gut zu tun. Absolut im Vordergrund steht dabei die Beratung zur Kurzarbeit und zum Kurzarbeitergeld. Eine Vielzahl der Unternehmen, die wir beraten, hatten mit diesem Thema vor der Corona-Zeit noch nicht wirklich etwas zu tun – wenn dann nur vereinzelt mit der Saison-Kurzarbeit. Konkret geht es dabei derzeit um alle mit diesem Thema im Zusammenhang stehenden Fragen, etwa Kündigungen, Krankheit oder Urlaub während der Kurzarbeit, Zuschüsse zum Kurzarbeitergeld und vor allem, die Mitbestimmung des Betriebsrates und die Formulierung, Verhandlung und Umsetzung entsprechender Betriebsvereinbarungen. Arbeitnehmer hingegen benötigen in der jetzigen Situation oft Beratung zu der Frage, wie es ist, wenn sie mit ihren Kindern Homeschooling machen müssen und deshalb nicht arbeiten können und woher sie ihr Geld bekommen, wenn sie aufgrund von Quarantänebestimmungen nicht arbeiten gehen dürfen, selbst aber nicht erkrankt und damit arbeitsunfähig sind. Das sind sehr spannende und in dieser Zeit auch sehr bewegende, teilweise sogar existentielle Themen. Neben dem rein Juristischen empfinde ich einen Teil meiner Arbeit besonders derzeit auch als psychologische Hilfestellung, insbesondere bei Unternehmern, denen Corona-bedingt das Wasser bis zum Halse steht und deren Existenzen aufgrund des Lockdowns, vor allem im Gastronomie- und Veranstaltungsbereich, ernsthaft gefährdet sind. Hier gilt es die Menschen immer wieder zu ermutigen und aufzubauen und auch Lösungsmöglichkeiten außerhalb des Arbeitsrechts aufzuzeigen.

Damit wir dich hier gleich optimal vorstellen, was ist deiner Meinung nach das skurillste Urteil, das in der letzten Zeit gefallen ist und warum?

In letzter Zeit ist mir eigentlich kein besonders skurriles Urteil aus der Welt des Arbeitsrechts über den Weg gelaufen. Dafür aber das ein oder andere wegweisende, etwa zur Vergütung von Reisezeiten bei Dienstreisen oder zum Verfall von Urlaub – um nur zwei zu nennen. Aber ein paar Kuriositäten-Klassiker der Rechtsprechung gibt es im Arbeitsrecht durchaus.

Etwa das folgende Urteil des Arbeitsgerichts Köln (ist das nicht Deine Hood?) aus dem Jahre 2010 (ArbG Köln, AZ: 6 Ca 3846/09):

Der Inhaber einer Anwaltskanzlei hatte minutiös protokolliert, wie viel Zeit einer seiner Rechtsanwälte auf der Toilette verbrachte. Innerhalb von zwei Wochen kam er auf eine Bilanz von immerhin 384 Minuten. Dafür zog er seinem angestellten Rechtsanwalt 680 € vom Gehalt ab. Der klagte mit der Begründung, in dieser Zeit an Verdauungsstörungen gelitten zu haben. Das Gericht gab ihm Recht. Wie Du siehst, kann man sich im wahrsten Sinne des Wortes über jeden Sch… streiten.

Das in meinen Augen aber kurioseste Urteil im Bereich des Arbeitsrechts hat das ArbG Detmold am 23.08.2007 zum Aktenzeichen 3 Ca 842/07 gefällt. Da war dem Gericht allem Anschein nach so langweilig – oder vielleicht hat es sich auch einfach zu etwas höherem berufen gefühlt – dass es das gesamte Urteil in Reimform abgefasst hat. Und das sowohl beim Tatbestand als auch in der Begründung. Es ist zwar jetzt nicht unbedingt Goethe oder Shakespeare, aber es lohnt sich trotzdem, das mal nachzulesen, etwa hier: https://openjur.de/u/30580.html.

… Indes behauptet nunmehr der Beklagte, dass es die Klägerin dann wagte, so neben ihren Aufsichtspflichten noch andere Dinge zu verrichten: so habe sie sich nicht geniert und auf dem Hocker masturbiert. … Die Spielbar sei aus diesem Grunde als „Russenpuff“ in aller Munde. …

ArbG Detmold, Urteil vom 23.08.2007 – 3 Ca 842/07

Die Klägerin und die nachfolgende Instanz (Landesarbeitsgericht Hamm (Westfalen), Urteil vom 21.02.2008, Aktenzeichen: 8 Sa 1736/07) fanden das dann jedoch nicht ganz so lustig und das Urteil wurde aufgehoben – und dieses Mal nicht in Reimform.

Was sind deine Lieblingsthemen im Arbeitsrecht?

Das kann ich so pauschal nicht beantworten.

– Jannis lacht –

Jaja, eigentlich kann ich tatsächlich den meisten arbeitsrechtlichen Konstellationen etwas abgewinnen, aber tatsächlich finde ich das sog. Kollektivarbeitsrecht schon sehr spannend. Das Kollektivarbeitsrecht regelt grob gesagt die Beziehungen zwischen der Arbeitgeberseite und den Vertretungsorganen der Arbeitnehmer. Da geht es in meinen Fällen in erster Linie um das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats. Besonders interessant finde ich dabei auch stets die Beratung über das rein rechtliche hinaus, etwa hinsichtlich des gemeinsamen Umgangs zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber. Sobald ein Betriebsrat im Unternehmen oder Betrieb besteht, geht es nun einmal nicht mehr ohne den jeweils anderen – und vor allem geht es meistens nicht besonders gut gegeneinander. Es gilt zwischen dem Betriebsrat und der Unternehmensführung eine vertrauensvolle und dem Unternehmen dienende Zusammenarbeit aufzubauen und – noch viel mehr –  aufrechtzuerhalten. Als Arbeitgebervertreter spricht man da auch von der “Befriedung des Betriebsrats”. Auch da ist meines Erachtens immer viel psychologisches Fingerspitzengefühl erforderlich. Erfahrungsgemäß ist es in solchen Situationen sehr hilfreich, wenn man im Unternehmen einerseits kompetente und selbstbewusste HR-Manager aber andererseits auch einen starken, gut eingespielten Betriebsrat hat, der sein Handwerk versteht. In solchen Fällen begegnen sich die Unternehmen und ihr Betriebsrat dann auf Augenhöhe und ich empfinde eine derartige „Machtbalance“ zwischen den Parteien meist als hilfreich in Verhandlungen und Auseinandersetzungen.    

Welche Geschichten können wir von dir hier auf dem Blog erwarten?

Lass Dich überraschen…. ehrlich gesagt weiß ich das selbst noch gar nicht so genau 😉 Den arbeitsrechtlichen Bezug werde ich aber sicherlich stets beibehalten. Ich persönlich bin der festen Überzeugung, dass umfassende, gute HR-Arbeit nur dann funktioniert, wenn der oder die HRler*in zumindest über erweiterte Kenntnisse im Arbeitsrecht verfügt. Genauso wichtig finde ich es übrigens, dass wir Arbeitsrechtler*innen, und hier vor allem die Arbeitsrichter*innen, hinteichend Ahnung von der modernen Arbeitswelt haben und nicht heute immer noch denken, Homeoffice sei moderner Quatsch und Paypal lasse sich nur mit einer jahrelangen IT-Ausbildung bedienen. Das ist leider nicht immer der Fall.  

Benedikt, ich freue mich schon auf deinen ersten Artikel! Vielen Dank, dass du jetzt hier dabei bist.

Über den Autor

Jannis Tsalikis

Arbeitgebermarke ist wie Disco, entweder du siehst geil aus oder du tanzt allein!

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